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Medienmitteilungen

5. Juli 2019

Kelte trifft Keltin: Ergebnisse zu einem aussergewöhnlichen Grabfund

2017 entdeckte die städtische Archäologie während der Instandsetzung der Schulanlage Kern in Zürich-Aussersihl ein keltisches Frauengrab aus der Zeit um 200 v. Chr. Das aussergewöhnliche Grab, die Skelettreste und wertvollen Grabbeigaben wurden interdisziplinär untersucht. Das Resultat ist ein recht genaues Bild der Frau, das einiges über ihr Leben vor 2200 Jahren und Zürichs Siedlungsgeschichte verrät.

Der Baumsarg einer keltischen Frau, der im März 2017 bei den Bauarbeiten am Schulhaus Kern entdeckt wurde (vgl. Medienmitteilung vom 5. Mai 2017), wurde von der Archäologie Stadt Zürich in einer interdisziplinären Auswertung untersucht. Die Knochen sowie die aussergewöhnlichen Grabbeigaben wurden sorgfältig dokumentiert, geborgen, konserviert und ausgewertet. Dadurch lässt sich das Grab in die jüngere Eisenzeit um etwa 200 v. Chr. einordnen. Vom gefundenen Trachtschmuck ist insbesondere eine Glasperlenkette in ihrer Form bisher einzigartig: Sie ist zwischen zwei Fibeln (Gewandspangen) befestigt und mit kostbaren Glas- und Bernsteinperlen bestückt.

Interdisziplinäre Auswertung verrät viel über das einstige Leben der Frau

Die jetzt abgeschlossene interdisziplinäre Auswertung der Archäologie der Stadt Zürich zeichnet ein recht genaues Bild der Verstorbenen. Die Untersuchung des Skelettes und speziell der Zähne zeigt unter anderem, dass sie im Alter von etwa 40 Jahren verstarb, zu Lebzeiten eher wenig körperliche Arbeit verrichtet und wohl verhältnismässig viele stärkehaltige oder gesüsste Speisen zu sich genommen hatte. Eine Spezialistin bestimmte anhand der im Grab erhaltenen Textil-, Fell- und Lederreste die Reihenfolge der Kleidungsschichten. So trug die Frau wohl ein Kleid aus feiner Schafwolle, darüber ein weiteres Wolltuch und einen Mantel aus Schaffell.

Eine Isotopen-Analyse ermöglicht zudem Aussagen hinsichtlich der Lebensweise der Frau. So ist sie in der Region des heutigen Kantons Zürich, vermutlich im Limmattal, aufgewachsen und somit auch in ihrer Herkunftsregion bestattet worden.

Ein Lebensbild entsteht

Die umfassenden Untersuchungen zu Kleidung, Schmuck und Lebensumständen der keltischen Frau ermöglichten es den Archäologinnen und Archäologen, ein detailliertes Lebensbild zu erstellen. Was nicht direkt auf archäologische Belege aus dem Grab zurückgeführt werden konnte, wurde von Erkenntnissen anderer Untersuchungen abgeleitet.

Auch vom keltischen Mann, dessen Grab mit Schwert, Schild und Lanze man bereits 1903 beim Bau der Turnhalle Kern entdeckt hatte, entstand entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand ein Lebensbild. Seine vollständige Kriegerausstattung weist ihn ebenfalls als höhergestellte Persönlichkeit aus. Da er ausserdem in denselben Jahrzehnten wie die Frau bestattet worden war, ist es gut möglich, dass sich die beiden gekannt haben.

Kelten mit der Geschichte Zürichs verbunden

Das neu entdeckte Grab ergänzt das heutige Bild der keltischen Siedlungsgeschichte im Raum Zürich. Lange hielt man Zürich für eine römische Gründung. Archäologische Grabungen und Auswertungen der letzten Jahre erbrachten jedoch den Nachweis für eine stadtartige Siedlung der Kelten auf dem Lindenhofhügel bereits aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr., mindestens ein halbes Jahrhundert vor Ankunft der Römer. Diese frühe Stadt ging dann nahtlos in das römische «Turicum» über. Die beiden Gräber beim Kern-Schulhaus sind nochmals rund 100 Jahre älter als diese erste Siedlung auf dem Lindenhof und gehörten wahrscheinlich zu einer von mehreren kleineren Siedlungen um Zürich, wohl im Sihlfeld, die aber bisher noch unentdeckt ist.

Thema: Kultur

Organisationseinheit: Hochbaudepartement