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Zughunde, Limmatenten und Damentoiletten

Der neue Online-Zugang zu den Geschäftsberichten des Stadtrats ermöglicht Einblicke in 161 Jahre Zürcher Verwaltungs- und Stadtgeschichte und bietet eine bequeme und komfortable Alternative zum Blättern in den gedruckten Ausgaben.

Wie viele Kinder besuchten im Jahr 1893 einen öffentlichen Kindergarten? Wann wurde die erste öffentliche Bedürfnisanstalt oder Toilette für das weibliche Geschlecht eröffnet? Und wie viele Magnetbänder benötigte der städtische Computerbetrieb im Jahr 1973?

Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden sich in den Geschäftsberichten des Stadtrats und der Schulpflege, die seit Anfang März 2020 online verfügbar sind. In einem gemeinsamen Projekt haben die Stadtkanzlei und das Stadtarchiv Zürich in den letzten zwei Jahren sämtliche Geschäftsberichte von 1859 bis heute digitalisiert und aufbereitet. Interessierte können nun sämtliche Ausgaben über die städtische Website auffinden und im Volltext durchsuchen: www.stadt-zuerich.ch/geschaeftsbericht

Hundegespann in Zürich. Emil Acklin (Stadtarchiv Zürich)
Hundegespann in Zürich. Emil Acklin (Stadtarchiv Zürich).

Bis anhin konnte über das städtische Internetportal lediglich auf die aktuellsten Geschäftsberichte, die bis ins Jahr 1998 zurückreichen, zugegriffen werden. Um einen Einblick in die historische Verwaltungstätigkeit zu erhalten, mussten die jährlich publizierten Geschäftsberichte des Stadtrats sowie der Schulpflege im Lesesaal des Stadtarchivs konsultiert werden. Der neue online-Zugang bietet eine bequeme und komfortable Alternative zum Blättern in den gedruckten Ausgaben.

Erstmals publiziert wurde der Geschäftsbericht des Stadtrates im Jahr 1859. Nicht zufällig fiel die erste Veröffentlichung in die Zeit der demokratischen Bewegung Zürichs. Die Stadtverwaltung sollte der Gemeinde Rechenschaft über ihre Tätigkeit ablegen. Ein vielleicht erster, zaghafter Schritt in Richtung Öffentlichkeitsprinzip, das fast 150 Jahre später die transparente Verwaltung und demokratische Kontrolle rechtlich verankerte.

In den Geschäftsberichten verbergen sich aber auch eine Unmenge an vergessenen, erstaunlichen und bisweilen sogar anekdotischen Informationen in den Jahrbüchern. So wurde etwa im Jahr 1920 aufgrund tierärztlicher Zeugnisse 110 Hundehalterinnen und Hundehaltern erlaubt, ihren Hund als Zugtier zu benutzen. 1962 sind aus der Schwanenkolonie am Zürichhorn und in der Limmat 10 Enten in Folge eines Ölausflusses in den Zürichsee gestorben. Im Schuljahr 1952/53 wurden die Abschlussklassen mit dem Film «Die tödliche Sekunde» in Verkehrserziehung unterrichtet. Und im Schuljahr 1971/72 erhielten die Schülerinnen der Töchterschule erstmals EDV-Unterricht, um «formallogisches Denken auf verschiedenen Anwendungsgebieten» zu üben.

Die Geschäftsberichte zeigen aber nicht nur die Vielfältigkeit der Verwaltungstätigkeiten auf, sondern ermöglicht auch den Nachvollzug von organisatorischen Veränderungen der städtischen Verwaltung; eine Entwicklung, die bis anhin noch keinen umfassenden Niederschlag in der lokalhistorischen Geschichtsschreibung fand. Mit Hilfe des neuen Online-Zugangs könnte nun diese Lücke geschlossen werden.

Sämtliche Geschäftsberichte stehen aber nach wie vor auch im öffentlichen Lesesaal des Stadtarchivs allen Interessierten zur Einsicht offen.

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