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Medienmitteilungen

Präsidialdepartement

21. Januar 2016

Gute Erfahrungen mit Gewaltprävention in jugendlichen Paarbeziehungen

Die Fachstelle für Gleichstellung hat im Jahr 2015 ein Präventionsprogramm zur Reduktion von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen in Schulen lanciert und extern evaluieren lassen. Die Resultate und Erfahrungen dieses in der Deutschschweiz erstmals durchgeführten Projekts sind vielversprechend. Optimierungsbedarf gibt es bei der methodisch-didaktischen Umsetzung.

Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen ist ein gesellschaftliches Problem. 25 Prozent der befragten Jugendlichen in Paarbeziehungen bzw. 11 Prozent aller Befragten geben in einer aktuellen Studie aus dem Kanton Zürich an, in ihrer aktuellen oder letzten Paarbeziehung physische Gewalt erlitten zu haben. 13 Prozent der Befragten in Paarbeziehungen und 6 Prozent der Befragten insgesamt geben für die letzten zwölf Monate eine sexuelle Opfererfahrung an – bei Mädchen sind es sogar 18, respektive 9 Prozent.

Präventionsprogramm gegen Gewalt und für Respekt

Das Präventionsprogramm «Herzsprung – Freundschaft, Liebe, Sexualität ohne Gewalt» hat zum Ziel, Respekt in Paarbeziehungen von Jugendlichen zu fördern und Gewalt zu reduzieren. In 18 Unterrichtslektionen setzen sich die Jugendlichen mit Themen wie Beziehungswünsche, Erwartungen an Partnerinnen und Partner, Eifersucht, Grenzverletzungen und sexuelle Gewalt auseinander. Ein schulexternes Moderationsteam (ein Mann und eine Frau) begleitet die Jugendlichen durch das Programm.

Trägerschaft und Projektleitung des Präventionsprogramms werden von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich wahrgenommen. Mit der Bildungsdirektion des Kantons Zürich, vertreten durch den Beauftragten für Gewalt im schulischen Umfeld, wurde eine Projektpartnerschaft abgeschlossen. Das Programm «Jugend und Gewalt» von Bund, Kantonen und Gemeinden unterstützte das Projekt als eines von 14 innovativen Projekten in der Schweiz in den Jahren 2011–2015.

Gute Erfahrungen und vielversprechende Resultate

Das Programm wurde von März bis Juli 2015 in fünf Schulklassen in Stadt und Kanton Zürich durchgeführt; in zwei Schulklassen der Sekundarstufe 1 und in drei Klassen des Berufswahljahres. Die von der Berner Fachhochschule (BFH) durchgeführte Evaluation gibt dem Programm gute Noten. Die Jugendlichen erkennen zum Beispiel nach eigenen Aussagen, «wie man eine gute Beziehung führt» oder «dass Gewalt keine Lösung ist». Profitiert vom Programm haben gemäss Katharina Haab, Projektleiterin bei der BFH, insbesondere die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 1: «Über die Hälfte bejaht, dass sie besser über Gefühle sprechen, besser mit schwierigen Emotionen umgehen und besser «nein sagen» können». Die externe Evaluation ortet auch Verbesserungspotential. Dies betrifft insbesondere methodisch-didaktische Aspekte.

Konkreter Beitrag zur Gleichstellung

«Wie Gleichstellung in Partnerschaften konkret gelebt wird, hat einen Einfluss auf die gesamte Gesellschaft», hält Stadtpräsidentin Corine Mauch fest. «Gegenseitiger Respekt und Konflikte ohne Gewalt zu lösen, muss gelernt sein. Je früher desto besser.» Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung ergänzte an der Medienkonferenz vom 21. Januar: «Jugendliche, die in ihren ersten Paarbeziehungen Gewalt erleben, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, im Verlauf ihres Lebens weitere Formen von Gewalt oder Gewalt in einer anderen nahen Beziehung zu erleben.» Die Erkenntnisse aus der Pilotphase werden genutzt, um das Präventionsprogramm weiterzuentwickeln und noch besser auf die schulischen Rahmenbedingungen auszurichten. Das überarbeitete Programm Herzsprung wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 zur Verfügung stehen. Die Prävention von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen ist auch Thema einer Fachtagung, die am 5. November an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) durchgeführt wird. Organisatorinnen sind die Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich, die Bildungsdirektion des Kantons Zürich und die PHZH.




Thema: Bevölkerung, Beratung

Organisationseinheit: Fachstelle für Gleichstellung