Gewässer

Gute Wassserqualität für den Menschen, weniger gute Bedingungen für Flora und Fauna.
Die Wasserqualität in Zürich ist gut. Doch Herausforderungen bleiben: Während die Verunreinigung der Gewässer mit Spurenstoffen angegangen wird, ist noch wenig über Mikroplastik und Nanopartikel bekannt, die vermehrt aus Konsumprodukten ins Wasser gelangen.

Aktuelle Situation

Allgemein gute Wasserqualität

Mikroverunreinigungen im Wasser stammen vor allem von künstlichem Süssstoff (Acesulfam), Medikamenten (Tramadol und Metformin) und Röntgenkontrastmitteln.

Die Qualität des Zürcher See- und Flusswassers gilt als «gut» bis «sehr gut». Die Phosphorkonzentration des Zürichsees liegt klar unter dem Zielwert. Einzig die Ammoniumbelastung der Sihl ist (bei einer Wassertemperatur von mehr als 10 Grad) tendenziell immer noch zu hoch. Als Mikroverunreinigungen werden hauptsächlich Acesulfam (künstlicher Süssstoff), Tramadol und Metformin (Medikamente), Benzotriazol (Korrosionsschutz) und Röntgenkontrastmittel gefunden. Diese Stoffe werden im menschlichen Körper (Süssstoffe und Medikamente) sowie in den heutigen Kläranlagen nicht vollständig abgebaut und gelangen so in die Oberflächengewässer.

Klimawandel reduziert Futterbasis für Fische

Der Klimawandel äussert sich auch in den tendenziell zunehmenden Wassertemperaturen des Zürichsees. Problematisch dabei ist, dass sich Oberflächen- und Tiefenwasser während der Wintermonate nicht mehr gut durchmischen. Damit gelangt das in der Tiefe angereicherte Phosphat nicht mehr nach oben und sauerstoffreiches Wasser nicht mehr nach unten, was für die Gewässerökologie wichtig wäre. Im Zürichsee zum Beispiel reicht die Durchmischung in einem schlechten Jahr nur noch bis in 60 Meter Tiefe statt bis 120 Meter. Gelangen die Nährstoffe nicht mehr nach oben, fehlt das typische Frühjahrsplankton und damit auch eine wichtige Futterbasis für die Fische.

Ursachen & Belastungen

Mikroverunreinigungen und Verbauungen

Das Trinkwasser der Stadt Zürich stammt zu rund 70 Prozent aus dem Zürichsee sowie zu je 15 Prozent aus Grund- und Quellwasser. Durch vielfältige Aktivitäten und Nutzungen verändert sich die chemische Zusammensetzung dieser Gewässer. Das Problem der Überdüngung ist weitgehend gelöst. Heute stellen die vielen Mikroverunreinigungen eine Herausforderung dar. Sie treten z. T. in sehr geringer Konzentration in den Gewässern auf, wo sie sich über die Zeit als schwer abbaubare Verbindungen anreichern können. Verbauungen von Bächen, Flüssen und Seen zerstören zudem natürliche Lebensräume, was sich negativ auf die Biodiversität sowie den Schutz vor Hochwasser auswirkt.

Auswirkungen

Mikroverunreinigungen beeinträchtigen Wasserorganismen sowie die Gesundheit und die Fortpflanzung von Fischen. Wie die nationale Beobachtung der Oberflächengewässerqualität zeigt, sind Vielfalt und Dichte von aquatischen Kleinlebewesen und Wasserpflanzen in der Schweiz an einem Drittel der Messstandorte ungenügend, diejenige von Fischen sogar an zwei Dritteln der Standorte. Ursache sind die mangelnde Wasserqualität und die Gewässerverbauungen. 

Fauna und Flora leiden unter mangelnder Wasserqualität.

Steigen die Temperaturen, wird weniger Sauerstoff im Wasser gelöst. Gleichzeitig nimmt jedoch die Aktivität und der Sauerstoffbedarf von Wasserorganismen zu. Das kann empfindliche Wasserorganismen gefährden. Bei Forellen, Felchen oder Äschen etwa können Wassertemperaturen von 18 bis 20 °C Stresssymptome auslösen.

Massnahmen der Stadt

  • Im Klärwerk Werdhölzli wird das Abwasser von rund 450 000 Personen gereinigt. Bis 2017 konnte ERZ die im Abwasser enthaltenen Rückstände aus Medikamenten, Körperpflegeprodukten und Reinigungsmitteln nur ungenügend oder gar nicht entfernen. Diese Stoffe, sogenannte Mikroverunreinigungen, gelangten darum in die Limmat und beeinträchtige Fische und weitere Lebewesen der Gewässer. Um diese Mikroverunreinigungen zu entfernen, erstellte ERZ zwischen 2015 und 2018 eine Ozonungsanlage. Seit ihrer vollständigen Inbetriebnahme im August 2018 kann ERZ mehr als 80 Prozent der Mikroschadstoffe eliminieren. Durch den Eintrag von Ozon in das biologisch gereinigte Abwasser werden die Stoffe aufgespaltet und anschliessend in der Filtration biologisch abgebaut.

  • Trotz der technischen Ausbauten ist es wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Denn was nicht ins Abwasser gelangt, findet sich später auch nicht im Trinkwasser. Der Wasserunterricht oder der Wasserweg  sind zwei Beispiele, wie sich die Stadt für einen bewussten Umgang mit Wasser und Abwasser einsetzt.

  • Teil des Abwassersystems ist auch das 1500 Kilometer lange Kanalisationsnetz. Jährlich investiert Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) rund 50 Millionen Franken in den Werterhalt der Kanalisation. Zentrales Planungsinstrument für die baulichen und betrieblichen Massnahmen ist der Generelle Entwässerungsplan (GEP). Diesen hat ERZ überarbeitet und den neuen Rahmenbedingungen angepasst. Dabei sind die erwarteten, zunehmenden Starkniederschläge berücksichtigt. Ein zentrales Ziel dabei ist die weitergehende Entflechtung von Regenabwasser (Meteorabwasser) und Abwässern aus Haushalten, Industrie und Gewerbe, um die Entwässerungskanäle und die Kläranlage zu entlasten. Das Abhängen von Sickerleitungen im Zuge von Neubauten und die Sanierung undichter Kanäle sind heute die wichtigsten Massnahmen. In der Vergangenheit konnten grosse Entlastungen erreicht werden durch das Abtrennen von Bächen. 

  • In 29 Jahren hat die Stadt Zürich 18 km Bachläufe freigelegt und 3 Kilometer Bäche renaturiert. Dies kommt heute auch der Bevölkerung (Bachspaziergänge) und der Biodiversität zugute und trägt teilweise zum Hochwasserschutz bei.

  • Ab 2019 soll der Beurteilung eine andere gesetzliche Basis gegeben werden, indem solche stoffspezifischen Qualitätsanforderungen für Einzelstoffe neu in die Gewässerschutz-Verordnung aufgenommen werden. 2018 gab es dazu eine Vernehmlassung, die noch ausgewertet wird. 

  • Massnahme Kanton Zürich: Strategie «Gewässerschutz an Strassen». Sie zeigt, bei welchen bestehenden Strassenabschnitten ein Handlungsbedarf bei der Strassenentwässerung besteht. Demnach werden mittelfristig rund 100 km Staatsstrassen, deren Abwasser aufgrund der starken Verkehrsbelastung stark verschmutzt ist, mittels Behandlungsmassnahmen saniert. Weitere 300 km der bestehenden Staatsstrassen weisen betreffend dem Verhältnis von Strassenabwasser zum Gewässerabfluss eine ungenügende Situation auf. Bei Sanierungsprojekten dieser Strassenabschnitte sollen Massnahmen zur Verbesserung der Einleitsituation realisiert werden. Beispielsweise wird der Zufluss aus der Strassenentwässerung in das Gewässer begrenzt.