Wirtschaft & Finanzen

Verantwortungsvoll investieren und beschaffen
Wirtschaftsbetriebe gehören zu den zentralen Verursachern von Umweltbelastungen. Umweltverantwortliches Handeln sollte auch für Wirtschaftsakteure das Gebot der ersten Stunde sein. Wie die bisherigen Entwicklungen zeigen, sind wir weit davon entfernt. Sowohl unsere Konsum- als auch unsere Produktionsmuster sind nicht ökologisch und führen zur Überschreitung unserer planetaren Belastbarkeitsgrenzen.

Umweltverantwortlich handeln

Eine sehr relevante Einflussmöglichkeit besteht bei der Anlage von Geld. Finanzmarktakteure haben einen grossen Einfluss auf das Verhalten der Unternehmen und anderer Wirtschaftsakteure, insbesondere auf deren Handeln mit Auswirkungen auf die Umwelt. Über die Ausleihe von Kapital, die Bewertung von Umwelt- und Reputationsrisiken und den Dialog mit den kapitalsuchenden Unternehmen können Finanzmarktakteure eine Steuerungsfunktion in Richtung mehr Nachhaltigkeit einnehmen. 

Bezogen auf die Klimaschutzziele ist eine Mehrheit der Schweizer Pensionskassen und Versicherungen nicht auf Kurs. Eine 2017 veröffentlichte Klimaverträglichkeitsanalyse von 79 Pensionskassen und Versicherungen hat gezeigt, dass die heutigen Investitionen eine Klimaerwärmung von 4 bis 6 Grad Celsius unterstützen, während das Klimaübereinkommen von Paris die Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen will.

Reduktionsziele für Emissionen festlegen

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Veröffentlichung von Angaben zu den Treibhausgasemissionen durch die Unternehmen. Gemäss dem Ethos-Bericht 2020 hatten 58 Unternehmen (40 Prozent der 151 Unternehmen, die durch den Ethos-Engagement-Pool befragt werden) Reduktionsziele festgelegt, gegenüber 51 Prozent im Jahr 2019 und 49 Prozent im Jahr 2018.

Quelle: Ethos Engagement Pool

SBTi = Science Based Target Initiaive

Vereinbarkeit der Reduktionsziele mit dem Zwei-Grad-Szenario (Quelle: Ethos Engagement Pool, Themen und wichtigste Resultate 2019, 150 Unternehmen)

Nachhaltige Finanzanlagen

Finanzierungs- und Investitionsentscheide können als nachhaltig bezeichnet werden, wenn diese unter anderem Unternehmen fördern, die die Belastbarkeit natürlicher Ressourcen berücksichtigen. Folgende Ansätze können der Gesamtheit nachhaltiger Anlage angerechnet werden (in der Reihenfolge ihrer quantitativen Bedeutung): 

  • Negativkriterien (Ausschluss bestimmter Firmen oder Branchen)
  • Positivkriterien (Selektion einzelner Firmen und Branchen)
  • Nachhaltige Themenanlagen
  • aktive Stimmrechtsausübung
  • Engagement: Dialog mit den Firmen, in die man investiert

Mit der Digitalisierung (Big Data, Internet der Dinge, Blockchain und künstliche Intelligenz) eröffnen sich Chancen für die schnellere, breitere und kostengünstigere Integration von Umweltkriterien in Finanzierungs- und Investitionsentscheide. Relevante, zuverlässige, zeitnahe und richtungssichere Umweltdaten, die öffentlich zugänglich sind, können dank digitaler Finanztechnologie in Analysen, Modellierungen und Bewertungen von Umweltrisiken und -chancen integriert werden.

Massnahmen der Stadt Zürich

Die städtische Umweltpolitik versucht auf verschiedene Arten, das Umweltverhalten von Unternehmen günstig zu beeinflussen. So hat die Stadt zum Beispiel eine Strategie zur nachhaltigen Beschaffung festgelegt, bietet mit dem Angebot Öko-Kompass eine solide Umweltberatung für Unternehmen an und beteiligt sich aktiv an Akteurnetzwerken zur Förderung einer grünen Wirtschaft wie zum Beispiel bei der Klimaplattform der Wirtschaft

Mit der Unterstützung des Konsortiums Climate-KIC (Climate Knowledge and Innovation Community), an dem die ETH Zürich federführend beteiligt ist, fördert sie auch aktiv den Cleantech-Bereich.

Bezüglich Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft hat die Wirtschaftsförderung der Stadt Zürich 2019 in Zusammenarbeit mit dem Verein Swiss Sustainable Finance und dem Zürcher Bankenverband eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit und technologischer Wandel organisiert.

Massnahmen der selbständigen und unabhängigen Organisationen der Stadt Zürich

Pensionskasse der Stadt Zürich und Unfallversicherung Zürich

Die Pensionskasse der Stadt Zürich (PKZH) verwaltet das Altersvermögen der städtischen Angestellten sowie von rund 160 weiteren angeschlossenen Organisationen in der Höhe von über 17 Milliarden Franken. Die Nachhaltigkeitsstrategie der PKZH berücksichtigt verschiedenste Nachhaltigkeitsthemen aus allen Umwelt-, Sozial- und Governance-Bereichen (ESG). In den Unternehmen, in die die PKZH investiert, übt sie ihre Stimmrechte aus und führt einen Dialog mit den Unternehmensleitungen.

2020 nahm die PKZH über Engagement-Anbieter Ethos und Hermes Einfluss auf über 1000 Unternehmen im In- und Ausland. Beispielsweise sucht die PKZH über den Ethos Engagement Pool den Dialog mit Unternehmen, damit diese, als ersten Schritt, ihre CO₂-Reduktionsziele veröffentlichen.

Ausschlussstrategie

Die PKZH investiert nicht in Unternehmen, die gegen das Verbot von Streumunition und Personenminen verstossen, sowie Firmen, die bakteriologische, chemische oder Nuklearwaffen herstellen, lagern oder vertreiben. Weiter kann die PKZH Firmen ausschliessen, die anhaltend und gravierend gegen die Normen des UN Global Compact (Verhaltenskodex für Firmen) verstossen.

Klimarisiken reduzieren

Die PKZH hat im Herbst 2018 eine Klimastrategie beschlossen. Sie strebt an, den CO₂-Fussabdruck des gesamten Aktienvermögens der PKZH gegenüber dem globalen Aktienindex (Stand 2016) bis 2024 um 50 Prozent zu reduzieren. Die PKZH ist damit eine der ersten Pensionskassen der Schweiz, die sich ein CO₂-Reduktionsziel gesetzt hat. Die Umsetzung der Klimastrategie erfolgt mit verschiedenen Massnahmen. Aktuell hat die PKZH mit diesen Massnahmen eine Reduktion um 32 Prozent gegenüber 2016 erreichen können.

  • Ausschluss von Firmen, die Kohlereserven in ihrer Bilanz aufweisen bzw. Versorgern, deren Stromproduktion zu mehr als zwei Drittel durch Kohle erfolgt.
  • Untergewichtung von Sektoren, die in hohem Ausmass vom Dekarbonisierungsprozess betroffen sind (Energie, Versorger, Grundstoffe und Transporte).
  • Untergewichtung von Firmen mit einer hohen CO2-Intensität.
  • Ein Teil des Aktienvermögens wird über aktive Mandate investiert, deren CO2-Fussabdruck markant geringer ist als jener des Aktienindexes.

Diese Massnahmen werden schrittweise umgesetzt. Ein erster, grosser Schritt erfolgte im November 2019, der den Ausschluss der Kohlefirmen, die Untergewichtung der CO2-ineffizienten Firmen sowie eine leichte Untergewichtung der genannten Sektoren umfasste. Bis 2024 wird die Untergewichtung der Sektoren in zwei Schritten ausgebaut. Die PKZH hat den Montreal Carbon Pledge unterzeichnet und wird jährlich den CO2-Fussabdruck ihres Aktienportfolios veröffentlichen und kommentieren.

Verantwortung der Unternehmen mittels Engagement einfordern

Die Unternehmen werden im Dialog aktiv aufgefordert, im Rahmen ihrer Geschäftsstrategie Klimarisiken wirksam zu adressieren und der Öffentlichkeit transparent Rechenschaft abzulegen. Sowohl die PKZH als auch «Hermes Equity Ownership Services», die für die Pensionskasse der Stadt Zürich den Dialog mit Unternehmen im Ausland führt, sind Unterzeichnerinnen der «Climate Action 100+», einem Investorennetzwerk von 575 Investoren mit insgesamt mehr als 54 Trillionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen, die sich zusammengeschlossen haben, um von den 167 grössten Emittenten von Treibhausgasen die Veränderung ihrer Geschäftsmodelle zu verlangen. Diese Unternehmen zusammen sind für rund zwei Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Von diesen 167 Firmen konnten 54 Prozent aller Öl- und Gas-Firmen und 43 Prozent aller involvierten Firmen zu Netto-Null-Zielen bis 2050 verpflichtet werden, welche die Scope 1- und Scope 2-Emissionen umfassen.

Beteiligung an nationalen und internationalen Ratings und Studien

Auch die jährlich wiederkehrende Beurteilung der UNPRI (Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen) fällt jeweils sehr positiv aus.

Die Unfallversicherung nimmt zusätzlich Einfluss über den Best-in-Class Ansatz

Auch die Unfallversicherung der Stadt Zürich nimmt bei den mandatierten Vermögensverwaltungen sowie über ihre Mitgliedschaft bei der Stiftung «Ethos» Einfluss auf die erworbenen Titel und berücksichtigt Nachhaltigkeitsaspekte bei der Anlagepolitik (ca. 180 Mio. Franken). Konkret bedeutet dies, dass in einer ersten Stufe für die einzelnen Anlagekategorien sog. Ausschlusskriterien definiert werden. In einem zweiten Schritt werden die verbleibenden Titel nach dem Best-in-Class Ansatz bewertet. Was verbleibt, ist schliesslich das Anlageuniversum nachhaltiger Titel. In den beiden von der UVZ vergebenen Mandaten sind das dann noch ca. 40 Prozent des ursprünglichen Ausgangsuniversums. Zusätzlich wird bei der Auswahl der Titel ein deutlich tieferer Carbon Footprint im Vergleich zu den Benchmarks angestrebt. Die nachhaltigen Portfolios der beiden Mandate der UVZ weisen einen um 40–50 Prozent tieferen Carbon Footprint auf im Vergleich zum gesamten investierbaren Benchmark-Universum.

Carbon Footprint

 Portfolio Mandat 1 Portfolio Mandat 2
Carbon Footprint
 745 t CO₂ / USD Mio. Umsatz
(Scope 1 und 2 über das Aktienportfolio nach Methode bzw. Daten von ISS ESG)
77 t CO₂ / USD Mio. Umsatz
(Scope 1 und 2 nur über das Aktienportfolio gemäss GHG Protocol)
Anteil am Carbon-Footprint des Benchmarks50–60 Prozent
 

Scope 1: direkt erzeugte Treibhausgasemissionen
Scope 2: indirekte Treibhausgasemissionen durch eingekaufte Energie
Scope 3: weitere indirekte Treibhausgasemissionen durch Dritte (optional)

Bei der Neuausschreibung der Mandate berücksichtigt der Anlagenausschuss der UVZ jeweils als zusätzliches Bewertungskriterium die Einhaltung des Zwei-Grad-Zieles gemäss Pariser Klimaabkommen. 

Massnahmen der Bevölkerung

Geld umweltfreundlich anlegen und investieren

Auch als private Anlegerin und Anleger können Sie heute unter einer Vielzahl von nachhaltigen Anlageprodukten auswählen. Wichtig ist, dass Sie selbst aktiv werden, indem Sie die Angebote kritisch prüfen und dazu die relevanten Fragen stellen. Hinweise dazu finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Umwelt: Gastbeitrag des WWF «Die Zukunft mitgestalten».