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Primärenergiebilanz

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Primärenergieverbrauch der Stadt Zürich hat seit 1990 um rund 1700 Watt abgenommen. Im Mittel der letzten fünf Jahre beanspruchten die Zürcherinnen und Zürcher rund 3500 Watt Primärenergie pro Person. Schweizweit liegt der Wert bei gut 4800 Watt pro Person(siehe auch www.2000watt.ch). 
  • Der Abwärtstrend der letzten Jahre ist erstens auf die Ökologisierung des Strommixes zurückzuführen. Seit 2015 beliefert ewz die Privatkundschaft sogar ausschliesslich mit Ökostrom.
  • Zweitens konnte im Gebäudebereich in den vergangenen Jahren kontinuierlich Energie eingespart werden durch energetische Sanierungen von Fenstern, Dach und Fassaden und durch Ersatzneubauten.
  • Bei der Mobilität ist der Verbrauch seit 1990 um rund 23 Prozent gesunken. Gründe sind effizientere Antriebsysteme, die geringere Zunahme beim motorisierten Verkehr und die vermehrte Nutzung von ÖV und Velo in Zürich.
  • Der Anteil erneuerbarer Energie hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt – von 11 Prozent auf rund 27 Prozent. Der Grund hierfür ist allen voran die Ökologisierung des Stroms.
  • Jährliche Werte schwanken witterungsbedingt stark und sind mit Vorsicht zu interpretieren. Ausschlaggebend für die Trendbetrachtung ist die langfristige Entwicklung.
  • Das Zwischenziel für das Jahr 2020, nur noch 4000 Watt zu verbrauchen, ist erreicht. Das langfristige Ziel bleibt jedoch eine Herausforderung. Um dieses zu erreichen, sind alle gefragt – die Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner, denn die Ansprüche an Konsum und Komfort beeinflussen massgeblich den Energieverbrauch.

Primärenergiebilanz 1990 bis 2018

Weiterführende Informationen

Definition Primärenergiebilanz

Als Primärenergie wird in der 2000-Watt-Methodik die gesamte Energie bezeichnet, die im ursprünglichen Energieträger enthalten ist, zuzüglich der Energie, die für die Gewinnung, Umwandlung und Nutzung aufgewendet werden muss. Die Primärenergie wird aus der Endenergiebilanz berechnet. Dies geschieht mithilfe der sogenannten Primärenergiefaktoren, welche für jede einzelne Form von Endenergie definiert sind (siehe auch Bilanzierungskonzept der 2000-Watt-Gesellschaft). Die Zahlen werden nicht klimakorrigiert.

Als erneuerbare Energien gelten beispielsweise Sonnenenergie, Windkraft und nachwachsende Biomasse. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt nur die direkt für energetische Zwecke eingesetzte Energie (Heizung, Warmwasser, Prozessenergie, Strom und Treibstoffe). Gemäss Bilanzierungsvorgaben ist in diesem Indikator die Primärenergie aus nicht-energetischen Nutzungen (z. B. Konsum, Nahrung) nicht einbezogen. Die Zahlen können für Zürich nicht ermittelt werden. Es gibt aber Abschätzungen auf nationaler Ebene, welche auf Basis der Import-Exportstatistik der Schweiz berechnet wurden.

Stromverbrauch

Der Stromverbrauch der Stadt Zürich, abgeleitet aus der Endenergiebilanz, ist im Zeitraum zwischen 1990 und 2018 leicht angestiegen. Auf die Einwohnerinnen und Einwohner umgerechnet konnte eine Stabilisierung beim Stromverbrauch erreicht werden, obwohl im gleichen Zeitraum Stromanwendungen zugenommen haben. In den letzten Jahren ist sogar ein leichter Abwärtstrend beim Verbrauch pro Person festzustellen.

Strommix und Anteil erneuerbarer Strom

Die Zusammensetzung des Strommix hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Seit 1.1.2015 beliefert das städtische Elektrizitätswerk ewz alle Haushalte und die privaten Kundinnen und -kunden, die nicht selber ihren Stromanbieter wählen können, ausschliesslich mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Der Anteil an Strom aus Wasserkraft ist infolge von rund 60 Prozent auf 78 Prozent gestiegen, der Anteil an Strom aus Kernkraft von rund 27 Prozent auf unter 9 Prozent gesunken. Strom aus Kernkraft hat einen wesentlich höheren Primärenergiefaktor als Strom aus Wasserkraft (Faktor 3). Diese Verlagerung führt zu einer Reduktion des Primärenergieverbrauchs beim Strom zwischen 2014 und 2018 um über 400 Watt. 

Der positive Effekt dieser Ökologisierung der Stromprodukte für Private wird jedoch durch die Strommarktliberalisierung gedämpft. Grosskunden können frei entscheiden, bei welchem Anbieter sie Strom beziehen. Da für den Strom, der nicht bei ewz bezogen wird, nur die Menge, nicht aber die Qualität bekannt ist, wird hierfür in der Statistik der durchschnittliche Strommix im europäischen Markt eingesetzt. Dieser enthält einen erheblichen Anteil an fossil erzeugten Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken. Der Anteil «Strommix Europa» am Gesamt-Stromverbrauch der Stadt Zürich ist daher in den letzten Jahren kontinuierlich auf über 11 Prozent gestiegen.

Einsparungen im Gebäudebereich

Im Gebäudebereich konnte der Primärenergieverbrauch durch verschiedene Massnahmen reduziert werden: die wärmetechnische Sanierung von Bauten, der vermehrte Einsatz von Fernwärme, der Ersatz von Ölheizungen durch Gas- und Wärmepumpenheizungen und die Errichtung von energetisch optimierten Ersatzneubauten. Es wird aber auch vermutet, dass die positiven Effekte durch gestiegene Komfortansprüche wie höhere Raumtemperaturen, grössere Flächen und längere Heizperioden zum Teil kompensiert werden.

Primärenergieverbrauch Verkehr

Das Berechnungsmodell für den Endenergieverbrauch des Verkehrs basiert auf Erhebungen in einzelnen Jahren (2010 und 2015) sowie Indikatoren für die Schätzung in den Zwischenjahren. Die wichtigste Grundlage bildet der Mikrozensus Mobilität und Verkehr, eine telefonische Erhebung zum Verkehrsverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung, welche alle fünf Jahren stattfindet. Im Jahr 2015 wurde das Berechnungsmodell für den Endenergieverbrauch des Verkehrs angepasst. Zudem wurden die bisher verwendeten Verbrauchsfaktoren im Jahr 2016 aktualisiert. Diese methodischen Veränderungen wurden für die Jahre 2015 bis 2018 angewendet. Die Jahre vor 2015 sind somit nicht mehr unmittelbar vergleichbar mit den Jahren 2015 bis 2018. Die methodischen Veränderungen schlagen sich am stärksten in der Berechnung des Benzinverbrauchs nieder – Abweichungen von rund 30 Prozent sind festzustellen. Beim Dieselkonsum resultieren nur geringe Veränderungen.

Wo steht Zürich auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft?

Der Masterplan Energie definiert als Zwischenziel für 2020 einen Energieverbrauch von 4000 Watt pro Person. Dieses Zwischenziel ist erreicht, sowohl im 5-Jahres-Mittel als auch im Jahresschnitt 2018. Das langfristige Ziel bleibt jedoch eine Herausforderung. Es braucht weitere Massnahmen in sämtlichen energierelevanten Sektoren. Da die Handlungsspielräume der Stadt Zürich in einigen Bereichen beschränkt sind (z. B. Flugverkehr, Treibstoff, Stromeffizienz, Heizungsersatz), ist die Stadt Zürich auf entsprechende Anstrengungen des Kantons Zürich, des Bundes und aller Einwohnerinnen und Einwohner angewiesen.

Klimatische Faktoren und Bevölkerungsentwicklung 

  • Die Witterung bestimmt die Nachfrage nach Raumwärme oder -kühlung und Warmwasser. Der Energieverbrauch aufeinanderfolgender Jahre kann daher witterungsbedingt stark schwanken und ist mit Vorsicht zu interpretieren. In einer langfristigen Betrachtung verliert der Einfluss der Witterung jedoch an Bedeutung.
  • In der Stadt Zürich ist seit 2000 die Wohnbevölkerung um 19 %, die Anzahl Beschäftigte um 45 % und das Bruttoinlandprodukt um über 30 % gestiegen.

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