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Primärenergiebilanz

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Primärenergieverbrauch der Stadt Zürich hat seit 1990 um rund 1950 Watt abgenommen. Im Mittel der letzten fünf Jahre beanspruchten die Zürcherinnen und Zürcher rund 3250 Watt Primärenergie pro Person.
  • Der Abwärtstrend der letzten Jahre ist einerseits auf die Ökologisierung des Strommixes zurückzuführen. Seit 2015 beliefert ewz die Privatkundschaft ausschliesslich mit Ökostrom, seit 2020 ist der von ewz gelieferte Strom für alle Kundinnen und Kunden aus 100 Prozent erneuerbaren Quelle.
  • Anderesseits konnte im Gebäudebereich in den vergangenen Jahren durch energetische Sanierungen von Fenstern, Dach und Fassaden und durch Ersatzneubauten kontinuierlich Energie eingespart werden.
  • Bei der Mobilität ist der Verbrauch seit 1990 um rund 23 Prozent gesunken. Gründe sind effizientere Antriebsysteme, die geringere Zunahme beim motorisierten Verkehr und die vermehrte Nutzung von ÖV und Velo in Zürich.
  • Der Anteil erneuerbarer Energie hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt – von 11 Prozent auf rund 27 Prozent. Der Grund hierfür ist allen voran die Ökologisierung des Stroms, aber auch der Ersatz fossiler Heizungen mit erneuerbaren Lösungen.
  • Die jährlichen Werte sind mit Vorsicht zu interpretieren, da sie stark von der Witterung und auch anderen Einflüssen (wie z.B. COVID-19 im Jahr 2020) abhängen. Ausschlaggebend für die Trendbetrachtung ist die langfristige Entwicklung.
  • Das Zwischenziel für das Jahr 2020, nur noch 4000 Watt zu verbrauchen, ist erreicht. Das langfristige Ziel bleibt jedoch eine Herausforderung. Die Roadmap 2000-Watt-Gesellschaft der Stadt Zürich zeigt jedoch, dass die Ziele grundsätzlich und auf lange Frist erreichbar sind. Alle sind jetzt gefragt – die Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner, der Bund, der Kanton und die Wirtschaft.

Primärenergiebilanz 1990 bis 2020

Weiterführende Informationen

Definition Primärenergiebilanz

Als Primärenergie wird in der 2000-Watt-Methodik die gesamte Energie bezeichnet, die im ursprünglichen Energieträger enthalten ist, zuzüglich der Energie, die für die Gewinnung, Umwandlung und Nutzung aufgewendet werden muss. Die Primärenergie wird aus der Endenergiebilanz berechnet. Dies geschieht mithilfe der sogenannten Primärenergiefaktoren, welche für jede einzelne Form von Endenergie definiert sind (siehe auch Bilanzierungskonzept der 2000-Watt-Gesellschaft). Die Zahlen werden nicht klimakorrigiert.

Als erneuerbare Energien gelten beispielsweise Sonnenenergie, Windkraft und nachwachsende Biomasse. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt nur die direkt für energetische Zwecke eingesetzte Energie (Heizung, Warmwasser, Prozessenergie, Strom und Treibstoffe). Gemäss Bilanzierungsvorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft ist in diesem Indikator die Primärenergie aus nicht-energetischen Nutzungen (z. B. Konsum, Nahrung) nicht einbezogen. Die Zahlen können für Zürich nicht ermittelt werden. Es gibt aber Abschätzungen auf nationaler Ebene, welche auf Basis der Import-Exportstatistik der Schweiz berechnet wurden.

Auswirkungen von COVID-19

Das Jahr 2020 wurde massgeblich von der COVID-19-Pandemie bestimmt. Neben den gesundheitlichen und gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen hatte die Pandemie auch weitreichende energiewirtschaftliche Folgen. Durch die Lockdown-Beschränkungen und die Home Office Empfehlung kam es zu einer Reduzierung der globalen CO2-Emissionen, der lokalen Luftschadstoffe sowie der Energienachfrage (Friedlingstein et al., 2020, Le Quéré et al., 2020, Liu et al., 2020, Ou et al., 2020). 

Die Auswirkungen von COVID-19 zeigen sich auch eindrücklich in der Primärenergiebilanz der Stadt Zürich. So verzeichnen die Primärenergieverbräuche von Benzin und Diesel einen Rückgang von rund 5 Prozent (im Vergleich zu 2019). Der Kerosinverbrauch ist im Jahr 2020 um über 60 Prozent gesunken. Der Primärenergieverbrauch Strom nahm um mehr als 5 Prozent ab.

Stromverbrauch

Der Stromverbrauch der Stadt Zürich, abgeleitet aus der Endenergiebilanz, ist im Zeitraum zwischen 1990 und 2020 leicht angestiegen. Auf die Einwohnerinnen und Einwohner umgerechnet konnte eine Stabilisierung beim Stromverbrauch erreicht werden, obwohl im gleichen Zeitraum Stromanwendungen zugenommen haben. In den letzten Jahren ist sogar ein leichter Abwärtstrend beim Verbrauch pro Person festzustellen.

Strommix und Anteil erneuerbarer Strom

Die Zusammensetzung des Strommixes hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Seit 1.1.2015 beliefert das städtische Elektrizitätswerk ewz alle Haushalte und die privaten Kundinnen und Kunden, die nicht selber ihren Stromanbieter wählen können, ausschliesslich mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Seit 1.1.2020 werden auch Geschäftskundinnen und –kunden mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien beliefert. Der Anteil an Strom aus Kernkraft ist infolge von rund 27 Prozent (2014) auf Null Prozent (2020) gesunken, der Anteil an Strom aus Wasserkraft von rund 60 Prozent auf rund 70 Prozent gestiegen. Strom aus Kernkraft hat einen wesentlich höheren Primärenergiefaktor als Strom aus Wasserkraft (Faktor 3). Diese Verlagerung führt zu einer Reduktion des Primärenergieverbrauchs beim Strom zwischen 2014 und dem Mittel der letzten 5 Jahre um mehr als 400 Watt.

Der positive Effekt dieser Ökologisierung der Stromprodukte wird jedoch durch die Strommarktliberalisierung gedämpft. Grosskundinnen und -kunden können frei entscheiden, bei welcher/welchem Anbieterin/Anbieter sie Strom beziehen. Da für den Strom, der nicht bei ewz bezogen wird, nur die Menge, nicht aber die Qualität bekannt ist, wird hierfür in der Statistik der durchschnittliche Strommix im europäischen Markt eingesetzt. Dieser enthält einen erheblichen Anteil an fossil erzeugtem Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken. Der Anteil «Strommix Europa» am Gesamt-Stromverbrauch der Stadt Zürich ist in den letzten Jahren kontinuierlich auf mittlerweile über 20 Prozent gestiegen.

Einsparungen im Gebäudebereich

Im Gebäudebereich konnte der Primärenergieverbrauch durch verschiedene Massnahmen reduziert werden: die wärmetechnische Sanierung von Bauten, der vermehrte Einsatz von Fernwärme, der Ersatz von Ölheizungen durch Gas- und Wärmepumpenheizungen und die Errichtung von energetisch optimierten Ersatzneubauten.

Primärenergieverbrauch Verkehr

Das Berechnungsmodell für den Endenergieverbrauch des Verkehrs basiert auf Erhebungen in einzelnen Jahren (2010 und 2015) sowie Indikatoren für die Schätzung in den Zwischenjahren. Die wichtigste Grundlage bildet der Mikrozensus Mobilität und Verkehr, eine telefonische Erhebung zum Verkehrsverhalten der Schweizer Wohnbevölkerung, welche alle fünf Jahren stattfindet. Im Jahr 2015 wurde das Berechnungsmodell für den Endenergieverbrauch des Verkehrs angepasst, eine Anpassung im Jahr 2020 fand Aufgrund COVID-19 nicht statt. Zudem wurden die bisher verwendeten Verbrauchsfaktoren im Jahr 2016 aktualisiert. Diese methodischen Veränderungen wurden für die Jahre 2015 bis 2018 angewendet. Die Jahre vor 2015 sind somit nicht mehr unmittelbar vergleichbar mit den Folgejahren. Die methodischen Veränderungen schlagen sich am stärksten in der Berechnung des Benzinverbrauchs nieder – Abweichungen von rund 30 Prozent sind festzustellen. Beim Dieselkonsum resultieren nur geringe Veränderungen.

Die Effekte von COVID-19 zeigen sich im Jahr 2020 in einem Rückgang von rund 5 Prozent (im Vergleich zu 2019) für die Energieträger Benzin und Diesel. Der Kerosinverbrauch ist im Jahr 2020 um über 60 Prozent gesunken.

Wo steht Zürich auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft?

Der Masterplan Energie definiert als Zwischenziel für 2020 einen Energieverbrauch von 4'000 Watt pro Person. Dieses Zwischenziel ist erreicht. Das langfristige Ziel bleibt jedoch eine Herausforderung. Es braucht weitere Massnahmen in sämtlichen energierelevanten Sektoren. Da die Handlungsspielräume der Stadt Zürich in einigen Bereichen beschränkt sind (z. B. Flugverkehr, Treibstoff, Stromeffizienz, Heizungsersatz), ist die Stadt Zürich auf entsprechende Anstrengungen des Kantons Zürich, des Bundes und aller Einwohnerinnen und Einwohner angewiesen.

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