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Arbeitssprache. Working language. Langue de travail.

12. September 2012 - Christian Greiner

Zürich ist ein attraktiver Arbeitsort, der Arbeitnehmer aus der ganzen Welt anlockt. Wie wirkt sich dies auf die Sprachen aus, die bei der Arbeit gesprochen werden? Dominiert in der Business-Stadt an der Limmat Englisch? Oder ist Hochdeutsch die neue Arbeitssprache? Die Auswertung der Strukturerhebungsdaten von 2010 geben erste Antworten auf diese Fragen.

Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Englisch wichtig bei der Arbeit

In Zürich wird bei der Arbeit mehrheitlich Schweizerdeutsch gesprochen: Drei Viertel der Erwerbstätigen sprechen Schweizerdeutsch. Daneben sprechen die in Zürich wohnhaften Erwerbstätigen gleichzeitig noch weitere Arbeitssprachen. Etwas mehr als die Hälfte spricht ebenfalls Hochdeutsch. Und eine von drei Personen spricht am Arbeitsplatz Englisch. Die übrigen Landessprachen werden bei der Arbeit deutlich weniger häufig gesprochen: Französisch sprechen zehn, Italienisch lediglich vier von hundert Erwerbstätigen. Damit weichen die Arbeitssprachen nur geringfügig von den zu Hause gesprochenen Sprachen ab. Welches Bild bietet die Verteilung der Arbeitssprache nach Berufsgruppen? Und welche Rolle spielt das Alter bei der Berufssprache?

Führungskräfte sprechen Hochdeutsch und Englisch

Schweizerdeutsch ist über alle Berufsgruppen hinweg die meist gesprochene Sprache bei der Arbeit. Am grössten ist dieser Anteil bei Bürokräften und verwandten Berufen mit 87 Prozent sowie Handwerksberufen mit 83 Prozent. Dagegen sprechen nur etwas mehr als die Hälfte der Hilfsarbeitskräfte Schweizerdeutsch bei der Arbeit.

Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen, die in akademischen Berufen oder als Führungskräfte arbeiten, sprechen bei der Arbeit Hochdeutsch. Dagegen unterhalten sich nur knapp ein Drittel der Handwerker/-innen und Fachkräfte der Land- und Forstwirtschaft auf Hochdeutsch. Eine Erklärung hierfür ist die Zusammensetzung der Nationalität nach Berufsgruppen. Rund je 15 von hundert Führungskräften und Akademikern kommen aus Deutschland – bei den Handwerker/-innen sind es lediglich fünf von hundert.

Englisch ist eine wichtige Arbeitssprache für Führungskräfte und Personen in akademischen Berufen. So sprechen etwas mehr als die Hälfte der Führungskräfte bei der Arbeit Englisch. 40 Prozent sind es bei den akademischen Berufen. Auch für Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe sowie Bürokräfte ist Englisch eine zentrale Arbeitssprache: Rund ein Drittel der Erwerbstätigen dieser Berufsgruppen spricht Englisch. Bei Hilfsarbeitskräften und Handwerksberufen spielt Englisch dagegen eine untergeordnete Rolle.

Die Französisch sprechenden Arbeitnehmer verteilen sich gleichmässig über die Berufsgruppen Führungskräfte, Bürokräfte und Techniker. Italienisch ist am stärksten bei Hilfsarbeitskräften und Handwerksberufen vertreten. In keiner Berufsgruppe übersteigt eine dieser beiden Landessprachen jedoch einen Anteil von 16 Prozent.

Anteil der gesprochenen Arbeitssprachen nach ausgewählten Berufsgruppen
Grafik 1: Anteil der gesprochenen Arbeitssprachen nach ausgewählten Berufsgruppen

Schweizerdeutsch für Jung und Alt

Die Arbeitssprache hängt beträchtlich vom Alter ab: 97 von hundert Jugendlichen bis 20 Jahre sprechen bei der Arbeit Schweizerdeutsch. Bei den 20- bis 24-Jährigen wird mit 86 von hundert Personen ebenfalls ein hoher Anteil erreicht. Ab 25 Jahren wird jedoch bei der Arbeit weniger Schweizerdeutsch gesprochen; erst bei über 50-Jährigen sprechen erneut rund 80 von hundert Personen Schweizerdeutsch.

Umgekehrt ist der Verlauf bei Personen, die bei der Arbeit Hochdeutsch sprechen: Das Maximum von 64 Prozent Hochdeutsch wird bei den 30- bis 34-Jährigen erreicht. Von den älteren Generationen sprechen hingegen weniger als die Hälfte bei der Arbeit Hochdeutsch.

Englisch hängt noch stärker vom Alter ab: Während die ganz Jungen bei der Arbeit nur zu 11 Prozent Englisch sprechen, steigt dieser Anteil für die Jugendlichen bis 24 Jahre auf 30 Prozent, für die Personen um 30 Jahre auf 43 Prozent an. Für die älteren Erwerbstätigen verliert Englisch wieder an Bedeutung. Von den Erwerbstätigen ab 50 Jahren sprechen knapp ein Fünftel bei der Arbeit Englisch.

Parlez-vous français? Moi non plus…

Die Jugendlichen sprechen bei der Arbeit kaum Französisch. Englisch ist neben Hochdeutsch die am häufigsten gesprochene Fremdsprache. Spannend ist, dass diese Beobachtung bei älteren Erwerbstätigen ebenfalls gemacht werden kann: Auch bei über 50-Jährigen wird deutlich mehr Englisch als Französisch gesprochen. Die zweit häufigste Landessprache ist als Arbeitssprache in der Stadt Zürich nur von relativ geringer Bedeutung und weist nur eine moderate Altersabhängigkeit auf.

Verteilung der Arbeitssprachen nach Altersklassen
Grafik 2: Verteilung der Arbeitssprachen nach Altersklassen

Beeinflusst das Alter die Arbeitssprache?

Eine Erklärung für die Altersabhängigkeit der Arbeitssprachen bietet der Blick auf die Zusammensetzung der einzelnen Altersklassen. So ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung bei den Personen zwischen 25 und 35 Jahren deutlich am höchsten. Hochdeutsch und Englisch gewinnen dadurch für diese Altersklassen an Bedeutung – Schweizerdeutsch wird dagegen weniger oft gesprochen. Weitere Informationen zur Zusammensetzung der Zürcher Wohnbevölkerung entnehmen Sie der Publikation Zürcher Bevölkerung 2011.

In Kürze

Schweizerdeutsch ist auch in der Business-Stadt Zürich die am meisten gesprochene Sprache bei der Arbeit. Je nach Berufsgruppe und Altersklasse gewinnen Hochdeutsch und Englisch bei der Arbeit aber an Bedeutung:

  • Hochdeutsch und Englisch: Arbeitssprache der Führungskräfte, Akademiker und Techniker
  • Hochdeutsch und Englisch: Vorwiegend Personen im Alter zwischen 25 bis 35 Jahren
  • Französisch: Relative geringe Bedeutung als Arbeitssprache in allen Altersklassen
  • Italienisch und Portugiesisch: Häufig bei Handwerkern und Hilfsarbeitskräften

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