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Medienmitteilungen

Sozialdepartement

19. Oktober 2016

Zürcher Partydrogenkonsumierende wissen mehr und sind vorsichtiger

Interesse an Drug-Checking-Angeboten nach 15 Jahren unverändert hoch

Im Herbst 2001 startete die Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich einen Pilotversuch mit Drug Checkings an Partys und der Info-Website. Fünf Jahre später kam das Drogeninformationszentrum im Kreis 5 hinzu. Seit Beginn der Checks haben insgesamt rund 13 500 Personen 11 200 Proben testen lassen. Spitzenreiter unter den getesteten Substanzen sind nach wie vor Kokain, Amphetamin, MDMA und LSD. Das Risikobewusstsein und der Informationsstand der Konsumierenden sind in den vergangenen Jahren messbar gestiegen.

In Zürich können Partybesucherinnen und -besucher seit fünfzehn Jahren an mehreren Partys pro Jahr direkt vor Ort mitgebrachte Substanzen analysieren lassen und sich über deren Wirkungen und Gefahren informieren. Das Angebot erfreut sich unverändert grosser Beliebtheit. Gleiches gilt für das vor zehn Jahren eröffnete Drug Checking im Drogeninformationszentrum (DIZ). Die Drug-Checking-Angebote und die damit verbundene Informationsarbeit sind wichtige Bestandteile der beiden Säulen Prävention und Schadensminderung der Zürcher Drogenpolitik und haben sich mittlerweile auch in anderen Städten etabliert.

Gefährlicher Mischkonsum hat abgenommen

Das Fazit nach fünfzehn Jahren Drug Checking und Beratungs- und Informationsarbeit ist positiv: Zürcherinnen und Zürcher, die ihre Partydrogen bei den Angeboten der Jugendberatung Streetwork der Stadt Zürich testen lassen, sind in den letzten Jahren messbar risikobewusster geworden und wissen mehr über die illegalen Substanzen, die sie konsumieren. Das zeigt die Auswertung der (mehrseitigen) Fragebögen, die im Rahmen des obligatorischen Beratungsgesprächs mit einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter der Jugendberatung Streetwork ausgefüllt werden. So ist zum Beispiel der besonders riskante Mischkonsum seit 2004 um rund 20 Prozent zurückgegangen. Nach wie vor sind es vor allem Männer (70 Prozent), die die Angebote nutzen. Die meisten der Beratenen sind zwischen 19 und 34 Jahren alt und stammen aus allen Berufen und sozialen Schichten. Von der Gelegenheitskonsumentin bis zum stark Abhängigen sind alle Konsummuster vertreten.

Spitzenreiter Kokain, Amphetamin, MDMA und LSD

Am häufigsten werden an Partys und im DIZ Kokain, Amphetamin, MDMA und LSD zur Analyse gebracht. Die Liste der analysierten Substanzen ist wesentlich länger; kaum jemand kennt aber Substanzen wie «5F-AKB48», ein eher seltenes synthetisches Cannabinoid oder das Halluzinogen «5-Meo-MIPT». Während der MDMA-Gehalt in Ecstasy-Tabletten gegen Ende des letzten Jahrzehnts stark zurückgegangen war und die Pillen über mehrere Jahre andere Substanzen wie z.B. das Piperazin «m-CPP» enthielten, sind in den letzten Jahren wieder vermehrt sehr hoch dosierte Pillen auf dem Markt erhältlich. Der höchste getestete MDMA-Gehalt betrug 300 Milligramm, was der maximal verträglichen Dosis für einen 200 Kilogramm schweren Mann entspricht. Beim Kokain konnte in den letzten zehn Jahren eine starke Zunahme von bis zu sechs verschiedenen psychoaktiven Streckmitteln festgestellt werden, die zusätzliche Gesundheitsrisiken bergen. LSD-Filze sind daneben zunehmend mit anderen psychoaktiven Substanzen verunreinigt.

Online-Warnungen zu gefährlichen Substanzen

Die im Rahmen der Drug-Checkings gewonnenen Informationen erlauben, auch andere Freizeitdrogenkonsumierende zu warnen. Zudem haben auch Fachleute, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern stets Zugriff zu aktuellem Wissen. Die Jugendberatung Streetwork publiziert auf www.saferparty.ch und in sozialen Medien zeitnah Warnungen über gefährliche Substanzen und bietet auch Beratungsleistungen per E-Mail an. Allein die Website verzeichnete im letzten Jahr über 390 000 Besucherinnen und Besucher.

Trouvaillen aus 15 Jahren Drug Checking

Auch nach 15 Jahren wird das Team der Jugendberatung Streetwork mit dem Drug-Checking-Equipment von vielen Partybesuchenden zuerst für DJs gehalten. Vor einer Weile erhielt das Team im DIZ zudem eine spezielle Anfrage: Eine Mutter von zwei jüngeren Kindern befürchtete, dass in der Liegenschaft, in der sie wohnt, Cannabis angebaut werde, wusste aber nicht, wie Hanfpflanzen riechen. Da im Tresor, in dem Substanzen zur Entsorgung zwischengelagert werden, eine geringe Menge Cannabis vorhanden war, konnte die besorgte Mutter für eine «Riechprobe» ins DIZ kommen. Sie hat daraufhin das Gespräch mit den jungen Nachbarn gesucht.

Zahlen 15 Jahre mobiles Drug Checking und 10 Jahre DIZ

  • Mobiles Drug Checking: Beim mobilen Drug Checking wurden in den vergangenen fünfzehn Jahren mit rund 3300 Personen Beratungsgespräche geführt. Das mobile Labor des Kantonsapothekeramts Bern, mit dem die Jugendberatung Streetwork seit Beginn zusammenarbeitet, analysierte 2580 psychoaktive Substanzen. An den Partys wurden zudem tausende Informationsflyer und Präventionsmaterial abgegeben. Bei leicht rückgängiger Anzahl Drug-Checking-Einsätze pro Jahr konnte die Anzahl der Analysen und Beratungen durch effizientere Verarbeitungsmethoden kontinuierlich gesteigert werden um der grossen Nachfrage zu genügen.
  • Drogeninformationszentrum (DIZ)
    Das DIZ wurde seit dem Start im Herbst 2006 bis heute von rund 10 100 Personen besucht. 8588 Substanzen wurden zur Analyse abgegeben, mit 4385 Personen wurden Beratungsgespräche geführt (die Zahl ist tiefer, weil mit «wiederkehrenden» Personen nur halbjährlich Beratungsgespräche geführt werden). Der Bedarf hat dabei ständig zugenommen.

Thema: Beratung, Bevölkerung

Organisationseinheit: Soziale Einrichtungen und Betriebe