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Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter in Zürich: Wer sind sie und wie leben sie?

Etwa die Hälfte der ausländischen Wohnbevölkerung sind Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter. Deren Anteil hat in den letzten Jahren markant zugenommen. Über ein Drittel von ihnen stammt aus den Nachbarländern der Schweiz – vor allem aus Deutschland. Sie sind in der Regel jung, gut gebildet, arbeiten oft Vollzeit und leben auf eher kleinem Raum. In der Stadt Zürich verbleiben Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter im Schnitt etwa drei Jahre. (27. Oktober 2021 – Aline Metzler)

Die Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter (B-Aufenthaltsbewilligung) haben in Zürich einen wachsenden Einfluss auf die Entwicklung der Stadtbevölkerung, was sich insbesondere in der Corona-Zeit gezeigt hat: Die Zuwanderung dieser Bevölkerungsgruppe fiel seit Ausbruch der Pandemie nämlich geringer aus als zuvor, und dies hat in den letzten Monaten massgeblich zur Stagnation des Bevölkerungswachstums beigetragen  (Link zu Webartikel). Doch wer sind diese Personen mit B-Ausweis überhaupt und wie leben sie in der Stadt Zürich?

Von 1993 bis 2020 ist die Zahl der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter von 22 061 auf 63 975 Personen gestiegen – das entspricht einem Wachstum von 190 Prozent. Auch anteilmässig haben sie in den letzten drei Jahrzehnten enorm zugenommen und machen mittlerweile knapp 15 Prozent der Stadtbevölkerung aus. Somit hat diese Bevölkerungsgruppe in den letzten drei Jahrzehnten beachtlich an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zu den Personen mit B-Ausweis sind die Anteile der Schweizerinnen und Schweizer sowie der Niedergelassenen (C-Aufenthaltsbewilligung) in der Stadt Zürich leicht gesunken.

Grafik 1: Bevölkerungsentwicklung nach Aufenthaltsart, 1993 bis 2020

Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter sind deutlich jünger

Was die Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter am stärksten von der restlichen Stadtbevölkerung unterscheidet, ist ihr Alter: Im Schnitt sind Personen mit B-Ausweis 31 Jahre alt; sie sind somit deutlich jünger als die Schweizerinnen und Schweizer oder die Niedergelassenen, welche durchschnittlich 43 respektive 38 Jahre alt sind. So kommt es, dass die Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter bei der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen sogar fast ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachen. In den Altersgruppen über 56 Jahren sind sie dafür so gut wie gar nicht mehr vertreten.

Grafik 2: Altersverteilung der Stadtbevölkerung nach Aufenthaltsart, 2020

Rund 21 Prozent der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter in der Stadt Zürich stammen ursprünglich aus Deutschland, gefolgt von Italien (8 %) und Frankreich (4 %). Auffällig ist, dass ein Grossteil der Personen mit B-Ausweis aus europäischen Ländern kommt. Dies kann unter anderem mit den vereinfachten Arbeitsbedingungen für EU-Bürgerinnen und -Bürger durch das Freizügigkeitsabkommen erklärt werden. Aufgrund des jungen Alters der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter erstaunt es nicht, dass viele ledig und kinderlos sind. Etwa 60 Prozent von ihnen sind als Einzelpersonen angemeldet. Ein weiteres Fünftel ist als Ehepaar mit Kind beziehungsweise als Ehepaar ohne Kind in Zürich. Die restlichen Familientypen – zum Beispiel Alleinerziehende oder Paare mit Kindern – kommen bei Personen mit B-Ausweis weniger häufig vor als bei Schweizerinnen und Schweizern oder Niedergelassenen.

Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter erhöhen das Bildungsniveau in der Stadt Zürich noch weiter

Ein weiterer prominenter Unterschied der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter gegenüber der restlichen Stadtbevölkerung ist ihr überdurchschnittliches Bildungsniveau. Die Daten aus der Strukturerhebung (Bundesamt für Statistik) zeigen, dass im Jahr 2019 fast drei Viertel der Personen mit B-Ausweis einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe besitzen. Dies ist deutlich mehr als bei den Schweizerinnen und Schweizern oder den Niedergelassenen, wo jeweils nur rund die Hälfte der über 15-Jährigen über einen Tertiärabschluss verfügt. Diese auffallenden Unterschiede im Bildungsniveau zwischen den verschiedenen Aufenthaltsarten lassen sich nur zum Teil mit dem tiefen Durchschnittsalter der Personen mit B-Ausweis im Vergleich zur restlichen Stadtbevölkerung erklären. Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter haben in allen Altersgruppen einen grösseren Anteil an Tertiärgebildeten als Schweizerinnen und Schweizer oder Niedergelassene.

Grafik 3: Anteil Tertiärgebildete nach Aufenthaltsart, 2010 bis 2019

Personen mit B-Ausweis arbeiten viel und leben auf kleinem Raum

Wie es das hohe Bildungsniveau der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter schon vermuten lässt, bewegen sich viele von ihnen im Hochschulumfeld. Über 50 Prozent der Personen mit B-Ausweis gehen einem akademischen Beruf nach. Dies ist mehr als bei den Schweizerinnen und Schweizern (31 %) oder den Niedergelassenen (29 %). Andere beliebte Berufsgruppen bei den Jahresaufenthalterinnen und -aufenthaltern sind unter anderem technische Berufe (9 %), Arbeit in Führungspositionen (8 %), Dienstleistungsberufe (5 %) oder Arbeit als Bürokraft (4 %). Nichterwerbspersonen gibt es nur wenige (17 %).

Die Erwerbsquote in der Stadt Zürich ist seit einigen Jahren steigend: Der Anteil der Erwerbspersonen – also Erwerbstätige und Stellensuchende – an der Gesamtpopulation nimmt zu. 2011 lag die Erwerbsquote im Schnitt noch bei 70 Prozent, seither ist sie auf 76 Prozent gestiegen. Ein genauerer Blick auf die Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter zeigt, dass deren Erwerbsquote das städtische Mittel seit jeher deutlich überragt – um etwa 13 Prozentpunkte. Die Aufenthaltsbewilligung, den sogenannten B-Ausweis, erhalten Personen mit unbefristetem oder mindestens 12 Monate dauerndem Arbeitsverhältnis. Daher überrascht es wenig, dass Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter eine relativ hohe Erwerbsquote haben. Auffällig ist jedoch, wie viel Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter arbeiten. Knapp zwei Drittel der Personen mit B-Ausweis sind vollzeiterwerbstätig, weitere 14 Prozent arbeiten in hochprozentiger Teilzeitstelle.

Grafik 4: Erwerbsquote bzw. Erwerbsquote in Vollzeitäquivalenten, 2011 bis 2020

In kleinen Wohnungen (1- und 2-Zimmer-Wohnungen) ist der Anteil der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter markant höher als bei der restlichen Wohnbevölkerung. Dies entspricht wohl auch dem Haushaltstyp der Jahresaufenthalterinnen und -aufenthalter, welche häufiger unverheiratet oder kinderlos sind. Dennoch ist der durchschnittliche Wohnungsflächenkonsum bei Personen mit B-Ausweis deutlich kleiner als beispielsweise bei den Schweizerinnen und Schweizern: Die mittlere Wohnfläche pro Person beträgt bei Jahresaufenthalterinnen und -aufenthaltern 38 m². Damit leben sie auf kleinerem Raum als Niedergelassene (41 m²) oder Schweizerinnen und Schweizer (48 m²).

Grafik 5: Durchschnittliche Wohnfläche pro Person nach Aufenthaltsart, 2020

Personen mit B-Ausweis sind sehr mobil, sie wechseln ihre Wohnadresse im Schnitt nach 2,3 Jahren und bleiben nicht sehr lange in der Stadt Zürich. Nach fünf Jahren wohnen von den Jahresaufenthalterinnen und -aufenthaltern nur noch rund 56 Prozent in Zürich. Der Rest ist aus der Stadt weggezogen oder verstorben. Deutlich länger verweilen die restlichen Bevölkerungsgruppen: Mehr als drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer (78 %) oder Niedergelassenen (76 %) leben nach fünf Jahren noch in Zürich. Von den Personen mit B-Ausweis, die in der Stadt Zürich bleiben, besitzen nach fünf Jahren mehr als die Hälfte (53 %) einen C-Ausweis, 8 Prozent den Schweizer Pass. Den restlichen knapp 40 Prozent wurde ihre B-Aufenthaltsbewilligung um weitere fünf Jahre verlängert. Daran hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert.

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