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Architekturportrait

Friedhof Forum Sihlfeld

Der Friedhof Sihlfeld wurde im Jahr 1877 nach den Plänen des Zürcher Stadtbaumeisters Arnold Geiser angelegt und ist heute im Inventar der schützenswerten Bauten aufgeführt. Das monumentale Friedhofstor ist beidseitig über schmale Bogenhallen mit zwei kreuzförmigen Hallenbauten verbunden. Um den Betrieb des Städtischen Friedhof Forums – einem Zentrum für Fragen rund um die Themen Sterben, Tod, Bestatten und Trauern – zu ermöglichen, wurde das linke Gebäude im Jahr 2012 vom Architekturbüro Daniel Bosshard und Meritxell Vaquer i Fernàndez im Auftrag der Stadt Zürich umgebaut. Mit grösster Sorgfalt wurden die ursprünglichen Qualitäten des Baus ergründet, betont herausgearbeitet und neu interpretiert. Das neue Farb- und Gestaltungskonzept verbindet die drei Räume und schafft eine neue Einheit. Die erforderlichen technischen Einrichtungen wurden geschickt in die Möblierung integriert und der Kellerraum energetisch optimiert und für das Publikum zugänglich gemacht. Der Kurzfilm portraitiert dieses Bauwerk mit Fokus auf die Architektur. Weitere Informationen unter: www.stadt-zuerich.ch/bauten

0:12 Wir wollten mit unserem Projekt einen Vorschlag machen,
0:16 der mit diesem Raum arbeitet,
0:19 und alles, was sonst verloren gegangen war, nochmals zum Leben erwecken.
0:44 Das Haus bildet den Auftakt zum Friedhof Sihlfeld,
0:49 diesem "Zentralfriedhof".
0:52 Dieses Konzept, das es bereits in Wien gab, war das Vorbild.
0:56 Diese Toranlage,
0:59 die relativ monumental ist in einem klassizistischen Sinn,
1:04 wurde von Stadtbaumeister Geiser gebaut.
1:08 Geiser war ein Schüler Sempers.
1:11 Das spürt man in diesen Räumen.
1:14 Das Konzept der Innenräume
1:19 und auch die Farbstimmungen ...
1:22 Das lehnt sich stark an die Theorien von Gottfried Semper an.
1:29 Was hier speziell ist:
1:31 Dieses Haus, das jetzt 150 Jahre alt ist,
1:34 hat immer noch diese Farben.
1:37 Das ist etwas Besonderes für Zürich.
1:41 Dass es einen Raum gibt, wo Farbe abblättern darf, wo es Risse gibt.
1:47 Dass das geschützt wurde, inspirierte uns
1:51 und die Weise, wie wir daran ergänzt und weiter gearbeitet haben, im Sinne Arnold Geisers.
1:57 Aber auch im Sinne dieser neuen Nutzung,
2:02 als Friedhof-Forum, das eine Begegnungsstätte sein soll,
2:07 wo man sich über die Fragen zum Tod austauscht.
2:12 Wo man vielleicht auch froh ist,
2:15 wenn die Stimmung eine lebendige ist und nicht eine sehr düstere.
2:20 Es gab eine gewisse Menge an Überlagerungen von Nutzungen,
2:24 was sehr interessant war
2:27 für so einen kleinen Ort. Es ist eigentlich ein kleines Häuschen.
2:36 Hier findet administrative Arbeit statt.
2:39 Es kommen aber auch Leute, die eine Auskunft brauchen.
2:43 Es gibt Veranstaltungen und Ausstellungen.
2:48 In diesem Sinne ging es darum, den Raum so zu denken, wie wir es kannten
2:53 aus unserem Beruf: wie ein Atelier, zum Beispiel ein Architekturbüro.
2:57 Wo vieles auch separat geschieht, Ereignisse von verschiedenen ...
3:03 ... sagen wir: Gattungen im selben Raum.
3:07 Das erzeugt diese Stimmung eines Ateliers.
3:11 Man kann es sogar Unordnung nennen.
3:15 Aber genau das suchten wir.
3:17 Wir fanden diese Stimmung unglaublich schön.
3:24 Die wollten wir weiter entwickeln, aber fröhlich machen.
3:28 Mit diesen silbrig schimmernden Lineamenten an den unteren Wandpartien.
3:33 Aber auch mit den Lampen und den Tischen,
3:36 die frei im Raum stehen.
3:39 Sie müssen einerseits Arbeitstische sein, für die Leute, die hier arbeiten.
3:46 Es müssen aber auch Vitrinentische sein, denn hier finden Veranstaltungen statt.
3:51 Künstler stellen Gegenstände aus.
3:54 Es gibt auch Vorträge und Lesungen.
3:57 Man sollte auch um diese Tische herum sitzen können.
4:03 Und gemeinsam etwas erleben.
4:07 Die Lampen sind ein ganz besonderes Moment, weil sie modern sind.
4:12 Sie sind modern, nicht nur weil es so sein darf.
4:17 Sie dürfen den Moment von heute auch zeigen.
4:21 Aber was auch wichtig war: Als das Gebäude gebaut wurde, gab es keine Elektrizität.
4:26 Als wir in diesen Raum kamen,
4:30 gab es keine elektrischen Installationen,
4:35 die fix waren.
4:37 Da muss man natürlich entscheiden:
4:41 Wann macht man die Elektrizität neu?
4:44 Und wie macht man das? Wir entschieden uns für zwei Strategien.
4:49 Eine galt den Lampen, die spektakulär sein mussten.
4:53 Sie mussten auch, wie andere Aktionen, Fröhlichkeit in den Raum bringen.
4:58 Die andere aber galt der Elektrifizierung des Mobiliars.
5:03 Alle Steckdosen sind im Mobiliar versteckt oder platziert,
5:07 aber nicht an den Wänden.
5:12 Erstens würde man die Wand technisch verletzen.
5:16 Aber dafür war es damals auch nicht vorgesehen.
5:21 Im Keller sieht man die Elektrifizierung, die wir jetzt erklären.
5:27 Die ganze Verteilung der Kabel für dieses Geschoss
5:32 passiert unten, in dieser Spinnennetz-artigen Anlage:
5:36 den Leitungen an der Decke im Keller, wo die Veranstaltungen passieren.
6:01 Wir fanden, es müsse ein Gleichgewicht geben
6:06 zwischen dem kleinen Eingangsraum, der grossartigen Aufbahrungshalle in der Mitte
6:11 und dem ehemaligen Gärtnerzimmerchen,
6:17 das ganz am Anfang ein Sezierzimmer war. Die waren gar nie öffentlich.
6:22 Die Frage war, wie machen wir das.
6:25 Dieser Raum war nie repräsentativ.
6:29 Er war weiss gekalkt ohne besonderen Boden. Er ist auch nicht hoch
6:37 und völlig flach. Nicht ornamentiert.
6:42 Obwohl das fast unmöglich ist, war das Ziel,
6:47 den drei Räumen gleich viel Bedeutung zu geben.
6:50 Das machten wir durch das Ultramarinblau mit den goldfarbenen Streifen.
6:56 Mit den Möbeln,
6:59 die die Gliederung des Hauptraumes aufnehmen.
7:04 Aber auch mit einer Malerei an der Decke,
7:08 die einen Bezug schaffen will
7:10 zu der grossartigen Stuckaturdecke der Aufbahrungshalle.
7:32 Hier haben wir einen Innenraum,
7:35 von dem zuerst niemand wusste, dass es ihn gibt.
7:39 Der ist nun öffentlich geworden.
7:42 Man kommt nicht mehr nur durch das Portal und geht daran vorbei.
7:48 Wir haben hier nun drei Räume,
7:53 eigentlich ein Haus, das für alle da ist.
8:00 Das man besuchen darf.
8:02 Jederzeit.
8:05 Zudem verortet es die Gedanken zum Tod.
8:11 Wir verdrängen das Thema sehr häufig.
8:14 Man will nicht daran denken, bis der Moment kommt.
8:17 Hier gibt es ein Angebot,
8:22 darüber nachzudenken, wenn man will und sich traut.
8:25 Und wenn man muss. Und das ist eine sehr schöne Idee.

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