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Geschichte

"S Chriesi" - eine spannende Schulanlage

Die Schule Chriesiweg verfügt über geschichtsträchtige Räumlichkeiten mit grossem architektonischem Wert. Nicht umsonst stellen Besucherinnen und Besucher immer wieder fest, welch schöne Anlage wir hier doch hätten. Allerdings sah man dies zu Anfangszeiten der Schule zum Teil etwas anders...

Sind Sie an der Geschichte vom Chriesi interessiert? Dann lesen Sie hier weiter.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Schulbau zu einer der wichtigsten öffentlichen Bauaufgaben. Die architektonischen Konzepte waren damals stark geprägt von pädagogischen Überlegungen. Man richtete sie auf die Bedürfnisse der Kinder aus und setzte dem monumentalen Schulbau der Jahrhundertwende den eingeschossigen, naturnahen und hellen Pavillon entgegen. Neu an der damaligen Auseinandersetzung mit dem Schulbau war, dass nebst Architekten auch Pädagogen und Schulärzte zu Wort kamen.

Alfred Roth, (Verfechter von neuen sozialen Lernformen und Verfasser des 1950 erschienenen Buches „Das neue Schulhaus“), leitete die gleichnamige Ausstellung, die das Zürcher Kunstgewerbemuseum 1953 organisierte. Im Zuge dieser Ausstellung veranstaltete die Stadt Zürich einen Projektwettbewerb für ein Primarschulhaus am Chriesiweg. Im Gegensatz zu früheren Wettbewerben liess man hierbei den Architekten die Freiheit für Neues, ja man wünschte sogar ausdrücklich innovative Ideen und Vorschläge für ein Schulhaus, das dem zeitgemässen Schulunterricht entsprach: Man war auf der Suche nach dem kindgerechten Schulhaus.
Die Architektengemeinschaft Fred Cramer, Werner Jaray und Claude Paillard überzeugten die Jury. Ihr Projekt, das heutige Schulhaus Chriesiweg, wurde von 1955-1957 erbaut.

Dank der Aufteilung der Anlage in verschiedene überschaubare Einheiten, entstanden Gebäude, die dem kindlichen Massstab entsprechen, und ein Aussenraum mit Pausenplätzen und Gartenhöfen. Aufmerksamkeit erregte die neue Gestaltung der Klassenzimmer. Schon damals propagierte man die sozialen Unterrichtsformen, vorab den Gruppenunterricht. Entsprechend wurde im Schulhaus Chriesiweg der Eingangsbereich der Klassenzimmer zu einer hellen Arbeitsnische ausgebaut, welche mit Hilfe einer verschiebbaren Wandtafel vom Hauptraum abgetrennt werden kann. Den für das Schulhaus typischen Sichtbetonwänden und Backsteinmauern lag die Freude der Architekten am „Naturmaterial“ zugrunde.

1947 zeichnete die Stadt Zürich zum ersten Mal besonders gelungene Bauten aus. Da diese Auszeichnung bei Architekten und Bauinteressierten grossen Anklang fand, wiederholte man die Prämierung alle drei bis vier Jahre, 1957 zum vierten Mal. Das Hochbauamt erstellte jeweils eine Liste von über 500 Bauten, 170 davon wurden durch die Jury vor Ort in architektonischer und städtebaulicher Hinsicht beurteilt. Zu den wenigen Gewinnern der Auszeichung für „Gute Bauten“ 1957 gehört auch unser Schulhaus, „s’Chriesi". Wie der Auszug aus dem „Altstetter“ (s. Bildstrecke) zeigt, waren aber nicht alle Kritiker über die neuartige Bauweise gleichermassen begeistert wie die Architekturfachleute.

Nichtsdestotrotz wurde die Schule am 5. Oktober 1957 offiziell mit einem Festspiel der Schülerinnen und Schüler eingeweiht. Seither beheimatete die Schule Chriesiweg ungezählte Lehrpersonen und noch viel mehr Schülerinnen und Schüler.

Wo die Schule früher noch allein auf weiter Flur stand, stiegen die Schülerzahlen in den letzten Jahren stetig an. Die rege Bautätigkeit im Quartier, der Wegfall des zugemieteten Kindergartens und die erweiterten Hortangebote führten dazu, dass auf der grosszügigen Sportfläche nun auch ein Zürimodul steht.

1986 wurden die Schulgebäude ins Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung aufgenommen. Seit 1989 wird auch die Gartenanlage im Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen geführt.

Auf der einen Seite kann man sich gehörig etwas darauf einbilden, an so einem gewichtigen Ort arbeiten, beziehungsweise zur Schule gehen zu dürfen. Auf der anderen Seite ist der Denkmalschutz aber auch mit Nachteilen verbunden wie beispielsweise dem Nicht-Einschlagen-Dürfen von Nägeln/Reissnägeln oder dem nicht möglichen Bau von zweckmässigeren Abfalleimern auf den Pausenplätzen oder eines wirklich wasserdichten Daches.

Zu seinem 50. Geburtstag erhielt "s Chriesi" eine Generalüberholung geschenkt. In zwei Etappen wurde es von 2007 bis 2009 saniert. Verändert wurde aber nur, was laut neuen Gesetzgebungen nicht zu umgehen war - Neuerungen im grossen Stil erlaubt der Schutzstatus nicht. So erhielt das Dach eine Isolationsschicht mehr, Turnhalle und Singsaal sind neu rollstuhlgängig, neue Lampen sorgen für helleres Licht und die Zimmer wurden mit Verbindungstüren ausgerüstet. Aus der früheren Abwartswohnung entstanden ein Materialkeller, eine kleine Küche, ein Schulleiter- und ein Sitzungszimmer, sowie eine Bibliothek. Unsere Pausenplätze wurden dank der Renovierung mit neuen Sitzgelegenheiten, tollen Spielgeräten und einem Veloparcours ausgerüstet.

Nun sind wir gespannt, was die nächsten 50 Jahre bringen werden.

Sie haben bis hierher gelesen? Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer schönen Schule und bedanken uns dafür.  

Text- und Bildquellen

Text-Quellen:
Schweizerische Bauzeitung 1957
Schweizer Ingenieur und Architekt Nr. 13, 1997

Bild-Quellen:
Bilder von 1957: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich


Mehr zur Geschichte und zu den Besonderheiten der Zürcher Schulhäuser finden Sie im «Spezialinventar der Schulhäuser» des Amts für Städtebau.

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