Räumliche Stadtentwicklung

Qualitätsvoll baulich verdichten
Die bauliche Verdichtung der Stadt Zürich ist ein Ziel der Stadt, des Kantons und des Bundes, um die weitere Zersiedlung der Landschaft – und die damit verbundenen nachteiligen Folgen für die Umwelt – zu verhindern. Die Stadt Zürich versteht das Wachstum der Wohn- und Arbeitsbevölkerung als Rahmenbedingung und Chance und will die Anforderungen, die durch Wachstum und Veränderung ausgelöst werden, zum Vorteil für eine qualitätsvolle räumliche Stadtentwicklung nutzen.

Bevölkerungswachstum

Seit den 1990er-Jahren verzeichnet die Stadt Zürich eine kontinuierliche Bevölkerungszunahme. Ende 2018 lebten 429 000 Personen in Zürich. Gemäss dem mittleren Szenario der Bevölkerungsszenarien ist davon auszugehen, dass bis 2035 über 500 000 Personen im Stadtgebiet wohnen. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der Arbeitsplätze zu. Gemäss den übergeordneten Vorgaben zur Siedlungsentwicklung von Bund und Kanton soll das Bevölkerungswachstum in den Städten konzentriert und die Bauzonen der Stadt Zürich auch künftig nicht ausgedehnt werden. Dies führt zu einer baulichen Verdichtung des bestehenden Siedlungsgebiets und verhindert im Gegenzug die weitere Zersiedlung der Landschaft – und die damit verbundenen nachteiligen Folgen für die Umwelt.

Die Stadt Zürich befindet sich in einer neuen Phase der Innenentwicklung. In den vergangenen Dekaden fand die bauliche Verdichtung vor allem durch die Umnutzung ehemaliger Industriegebiete statt. Die Planung und Umsetzung in diesen Gebieten ist mittlerweile weit fortgeschritten. Die Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich (BZO) bietet aber im gesamten Stadtgebiet noch umfangreiche Reserven für die bauliche Entwicklung. Diese soll mithilfe des kommunalen Richtplans Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen nachhaltig gestaltet werden. Zudem bezeichnet die Richtplanung weitere Schwerpunkte der Siedlungsentwicklung, in denen eine Verdichtung über die bestehende BZO hinaus ermöglicht werden soll.

Verdichtung nach innen

Wie die neusten Auswertungen von Statistik Stadt Zürich zur Anzahl Wohnungen und Wohnungsflächen zeigen, scheint die bauliche Verdichtung nach innen zu gelingen. Der Verdichtungsgrad bei Wohnersatzbauten in den letzten Jahren hat weiter zugenommen. Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 wurde jede abgebrochene Wohnung durch 1,7 Neuwohnungen ersetzt. Die Wohnungsfläche erhöhte sich in den insgesamt 251 Wohnersatzprojekten um 112 Prozent, der Rauminhalt gar um 164 Prozent. Die Bewohnerzahl stieg mit 90 Prozent zwar nicht ganz so stark wie die Wohnungsfläche, aber stärker als die Wohnungszahl.

Zürich verfügt über rund 227 136 Wohnungen (Ende 2019). Der Flächenverbrauch pro Person liegt im Durchschnitt bei 39,4 m2 pro Kopf, wobei es je nach Eigentümerschaft grosse Unterschiede gibt: In Genossenschaftswohnungen wird weniger Fläche beansprucht als im Stockwerkeigentum. Der Flächenverbrauch pro Person wirkt sich auf den direkten und indirekten Energie- und Ressourcenverbrauch aus.

Ressourcenschonend & ökologisch bauen

Im Gebäudebereich liegt das grösste Potenzial, um die Umweltbelastung und Treibhausgasemissionen zu reduzieren, beim Energieverbrauch. Durch energetische Sanierungen von Fenstern, Dach und Fassaden sowie durch Ersatzneubauten konnte der Primärenergieverbrauch in der Stadt Zürich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesenkt werden. Dazu beigetragen hat auch der vermehrte Einsatz von Fernwärme und der Ersatz von Ölheizungen durch Gas- und Wärmepumpenheizungen.

Die Stadt Zürich plant, baut und betreibt ihre eigenen Bauten nach den 7-Meilen-Schritten zum umwelt- und energiegerechten Bauen. Der zweijährliche Bericht zur Umsetzung zeigt, dass die nach Minergie oder höherwertigen Standards (Minergie P Eco) zertifizierten Flächen sowohl bei Neubauten als auch bei Instandsetzungen kontinuierlich gesteigert werden konnten.

Massnahmen der Stadt Zürich

Die Stadt Zürich versteht das Wachstum der Wohn- und Arbeitsbevölkerung als Rahmenbedingung und Chance und will die Anforderungen, die durch Wachstum und Veränderung ausgelöst werden, zum Vorteil für eine qualitätsvolle räumliche Stadtentwicklung nutzen:

  • Ein effizienter und gut ausgebauter öffentlicher Verkehr sowie die Weiterentwicklung von funktionsfähigen und attraktiven Stadt- und Strassenräumen – vor allem auch für den Fuss- und Veloverkehr – sind zentrale Aspekte im Zusammenspiel mit der baulichen Verdichtung, um dem steigenden Mobilitätsbedarf zu begegnen. Mit einer guten Organisation der verschiedenen Nutzungen, etwa Wohnen und Gewerbe, kann erreicht werden, dass möglichst kurze Wege entstehen. Siehe auch Mobilität.

  • Die Stadt bietet Raum für eine Vielfalt an wild lebenden einheimischen Pflanzen und Tieren. Diese sind für ihr Überleben auf ausreichend grosse, naturnahe und miteinander vernetzte Lebensräume angewiesen. Dazu gehören Flussräume, Gleisareale, extensiv genutzte Wiesen, Bachläufe, Hecken, Gebüsche und Bäume, die zu einem Netzwerk miteinander verbunden sind. Siehe auch Biodiversität.

  • Es gilt, bestehende Lärm-, Schadstoff- und Wärmebelastungen zu reduzieren und weiteren Belastungen entgegenzuwirken. Zentral ist dabei die Abstimmung der Siedlungsentwicklung mit dem Fuss-, dem Velo- und dem öffentlichen Verkehr. Die Themen Stadtklima, Lärmschutz und akustische Qualität sind frühzeitig in die Gestaltung von Bebauung und Stadträumen einzubeziehen. Bei Wohn- und Mischgebieten ist die Ausstattung mit genügend Grünflächen und -volumen wichtig. Siehe auch Stadtklima, Lärm, Luft.

  • Zusammen mit der baulichen Verdichtung steigt die Anforderung an eine gute Versorgung mit Freiräumen für Aufenthalt, Begegnung, Erholung, Ruhe, Bewegung, Spiel und Sport. So kann die Bevölkerung ihre Freizeit innerhalb der Stadt gestalten, wodurch der Freizeitverkehr reduziert wird. Siehe auch Frei- und Erholungsraum.