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Erwachsene

Volljährige und urteilsfähige Personen sind handlungsfähig. Sind sie jedoch nicht in der Lage, ihre persönlichen, vermögensrechtlichen und administrativen Angelegenheiten selbst zu besorgen, können sie sich an Drittpersonen oder an verschiedene Institutionen wenden (z.B. Pro Senectute, Pro Infirmis, Spitex, kirchliche Sozialdienste, spezielle Fachdienste, Sozialzentren und weitere Amtsstellen etc.) oder sie können einer Vertrauensperson eine Vollmacht erteilen. Kann auf diese Weise keine genügende Hilfe gewährt werden, ist die notwendige Unterstützung und Vertretung im Rahmen einer geeigneten Erwachsenenschutzmassnahme sicherzustellen.

Anstelle der bisherigen Vormundschaft, Beiratschaft und Beistandschaft kennt das neue Recht für Volljährige einzig noch die Beistandschaft als Einheitsmassnahme (Vormundschaften gibt es künftig nur noch für Minderjährige).

Diese ist in vier Beistandschaftsarten gegliedert:
 

  • die Begleitbeistandschaft (Art. 393 ZGB) für Personen, welche für die Erledigung bestimmter Angelegenheiten begleitende Unterstützung brauchen,
  • die Vertretungsbeistandschaft ohne oder mit Vermögensverwaltung (Art. 394 bzw. Art. 394 in Verbindung mit Art. 395 ZGB) für Menschen, die bestimmte Angelegenheiten nicht erledigen können und deshalb vertreten werden müssen,
  • die Mitwirkungsbeistandschaft (Art. 396 ZGB), falls bestimmte Handlungen der betroffenen Person zu deren Schutz der Zustimmung eines Beistandes oder einer Beiständin unterstellt werden müssen, sowie
  • die umfassende Beistandschaft (Art. 398 ZGB) als Nachfolgeinstitut der Vormundschaft, wenn jemand besonders hilfsbedürftig ist.

Gestützt auf dieses Instrumentarium ist im Einzelfall eine Beistandschaft nach Mass zu gestalten. Dabei ist der Fokus nicht einzig auf die auszugleichenden Defizite, sondern ebenso sehr auf die Ressourcen, über welche die betroffene Person verfügt, zu richten. Nur so wird dem zentralen Grundsatz, die Selbstbestimmung so weit wie möglich zu erhalten und zu fördern (Art. 388 Abs. 2 ZGB), hinreichend Rechnung getragen und der Wille der betroffenen Person, das Leben entsprechend ihren Fähigkeiten nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten, geachtet (Art. 406 Abs. 1 ZGB).
Entsprechend den Bedürfnissen im Einzelfall und unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit (Art. 389 Abs. 2 ZGB) ist die behördliche Massnahme masszuschneidern. Dazu ist zuerst die geeignete Beistandschaftsart zu bestimmen. Dann ist diese durch Zuordnung von Aufgaben so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen der hilfsbedürftigen Person entspricht. Falls erforderlich, können verschiedene Beistandschaftsarten mit unterschiedlichen Aufgaben miteinander kombiniert werden (Art. 397 ZGB). Nötigenfalls kann zusätzlich die Handlungsfähigkeit in bestimmten Bereichen eingeschränkt werden. Bei besonders ausgeprägter Hilfsbedürftigkeit kann stattdessen als Ultima Ratio eine umfassende Beistandschaft angezeigt sein (Art. 398 ZGB).

 

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