Geschichte der Stadt Zürich

Sie finden hier eine kurze Darstellung der Zürcher Geschichte. Diese erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Für ausführlichere Informationen verweisen wir Sie auf die grosse Zahl von Publikationen zu den verschiedensten historischen Themen.

Zürich in prähistorischer Zeit

Prähistorische Seeufersiedlungen am untern Zürichseebecken sind längst bekannt, so beim Kleinen Hafner (frühere Insel), beim Bauschänzli und beim Opernhaus. Diese noch nicht konstanten Siedlungen reichen bis ins 5. Jahrtausend v. Chr. zurück. Erst in jüngerer Zeit sind in der Zürcher Altstadt spätkeltische Siedlungen festgestellt worden (1. Jahrhundert v. Chr.). Wie alt das keltische Zürich ist, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen.

Das römische Turicum

Nach der Eroberung der Alpen durch die Römer dürfte um 15. v. Chr. auf dem Lindenhof ein Militärstützpunkt errichtet worden sein, womit die Zeit des römischen Zürich beginnt. Eine Grabinschrift aus dem späten 2. Jahrhundert überliefert indirekt «Turicum» als Namen des römischen «vicus» und gibt an, dass es Zollstation gewesen ist. In der Spätantike entstand auf dem Lindenhof ein Kastell (um 370, allenfalls früher). Das Ende der römischen Epoche kam in Zürich kurz nach 400.

Kirchliche Prägung im Frühmittelalter

Von der frühmittelalterlichen Geschichte Zürichs bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts ist fast nichts bekannt. Die Alemannen, die während des Siedlungsprozesses der sog. Völkerwanderung einsickerten, erreichten das Gebiet Zürichs um die Mitte des 6. Jahrhunderts. Etwa zur selben Zeit kam Zürich in den Herrschaftsbereich des fränkischen Merowingerreichs.

Im 8. Jahrhundert ging der Zürichgau in die Herrschaftsgewalt der Karolinger über. Ludwig der Deutsche, Enkel Karls des Grossen, gründete an den Gräbern von Felix und Regula einen Nonnenkonvent und stattete ihn mit reichem Grundbesitz aus (853). Das Kloster links der Limmat wird 874 vollendet gewesen sein.

Die Chorherrenkongregation am Grossmünster bildete sich wohl um dieselbe Zeit. Als älteste Kirche gilt St. Peter, an dessen Stelle man eine römische Kultstätte vermutet hat. Die ganze Stadtgeschichte blieb bis Mitte des 13. Jahrhunderts durch die geistlichen Stifter geprägt. Seit karolingischer Zeit stand auf dem Lindenhof eine Pfalz.

Zürich wird freie Reichsstadt

Zürich wird freie Reichsstadt Im 12. Jahrhundert wuchs die Stadt dank guter Wirtschaftslage. Otto von Freising nannte Zürich «nobilissimum Sueviae oppidum». Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 wurde Zürich freie Reichsstadt. Erstmals ist ein Rat quellenkundig. Zürich erhielt im 13. Jahrhundert seine bekannte Stadtmauer (Bau seit den 1220er Jahren), wie sie die Stadtplanvedute von Jos Murer von 1576 zeigt. Im 13. Jahrhundert liessen sich Bettelorden nieder (Prediger-, Barfüsser-, Augustiner- und Ötenbachkloster). Formelle Stadtherrin war die Fraumünsteräbtissin. Ihre Macht ging wie die des Stadtadels zurück. Die Stadt absorbierte grundherrliche Rechte von Abtei und Probstei.

«Zunftrevolution» und Anbindung an die Eidgenossenschaft

In der «Zunftrevolution» von 1336 stürzte Rudolf Brun (gest. 1360) mit Unterstützung des absteigenden Adels und der Handwerker das herrschende Kaufmannspatriziat. Brun führte zunächst ein autokratisches Regiment. Seit 1383 amtierten zwei halbjährlich alternierende Bürgermeister, und im 15. Jahrhundert setzte sich die Herrschaft der Zünfte durch. Schon im Herbst 1291 war Zürich mit Uri und Schwyz verbündet gewesen. Brun schloss mit den Waldstätten und Luzern das Bündnis vom 1. Mai 1351. Dieses festigte sich erst im Lauf der Zeit.

Im 14. und 15. Jahrhundert hat sich Zürich – fast ausschliesslich durch Kauf und Pfandnahme – ein Territorium geschaffen, das etwa dem heutigen Kanton Zürich entsprach. Bis zum Ende des Alten Zürichkrieges (1436 bis 1450) schwankte Zürich politisch zwischen Österreich und der Eidgenossenschaft. Durch das enge Zunftregime verminderte sich der Handel immer mehr, die Seidenindustrie verschwand ganz, Leinen- und Wollindustrie gingen zurück. Zürich wurde zu einer wirtschaftlich bescheidenen Handwerkerstadt. Immerhin spielten Getreide-, Salz- und Eisenhandel eine gewisse überregionale Rolle. Im Wesentlichen stützte sich die Stadtwirtschaft auf die Beherrschung des umliegenden bäuerlichen Hinterlandes, das auch dem Absatz gewerblicher Produkte diente. Unter Hans Waldmann (hingerichtet 1489) gewann Zürich die Stellung eines eidgenössischen Vorortes.

Zürich und die Reformation

Mit der Reformation Ulrich Zwinglis brach seit 1519 für die Geschichte Zürichs eine neue Epoche an. Es erhielt durch das Wirken Zwinglis und Heinrich Bullingers europäische Bedeutung. Die weltliche Obrigkeit der Stadt hat die reformatorische Politik mitvollzogen. Sie führte zum konfessionellen Bürgerkrieg, der die vorörtliche Stellung Zürichs beendete. Es blieb immerhin Haupt der reformierten Schweiz. Zürich war im 16. Jahrhundert eine Zunftstadt ohne Tendenz zur wirtschaftlichen Expansion. Erst Flüchtlinge wie die reformierten Locarner (1555) und Hugenotten (1685) belebten Industrie und Handel neu (Textilindustrie, vor allem Seide).

Kulturelle Blütezeit im 18. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert veränderte den baulichen Zustand Zürichs. Die neue Stadtbefestigung (begonnen 1642) dominierte das Stadtbild bis in die 1830er Jahre. Eine neue Form der Textilindustrie mit Heimarbeit auf der Landschaft brachte dieser einen relativen Wohlstand. Im 18. Jahrhundert erlebte Zürich eine kulturelle Blütezeit (Johann Jakob Bodmer, Johann Jakob Breitinger, Salomon Gessner, Johann Caspar Lavater). In den Verfassungszuständen – wesentlich in den so genannten «Geschworenen Briefen» geregelt – änderte sich bis zur Helvetischen Revolution von 1798 wenig. Mit dem Sturz des Ancien Régime verlor Zürich die Herrschaft über das Land und seine ökonomischen Vorrechte. Stadt und Kanton trennten ihre Güter 1803/05.

Wirtschaftlicher Aufschwung und Wachstum

Das 19. Jahrhundert war noch bis 1869 vom Gegensatz zwischen der politisch privilegierten Stadt und der Landschaft geprägt. Die liberale Repräsentativverfassung von 1831 begünstigte für fast vier Jahrzehnte Industrie, Handel und Verkehr. Die Ära Alfred Eschers brachte nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung (bis Mitte der 1860er Jahre), sondern begründete auch die Bedeutung Zürichs im jungen Bundesstaat. Die demokratische Bewegung mobilisierte breite Volksschichten der Landschaft und Winterthurs. Das autoritäre wirtschaftsliberale Systems Eschers brach zusammen. Zürich ging zur direkten Demokratie über.

1833 wurde die Universität Zürich gegründet. Seit 1855 ist Zürich Sitz des Polytechnikums (ETH). Ebenfalls im 19. Jahrhundert erneuerte sich das Theater- und Musikleben. Der Dichter Gottfried Keller wirkte 1861 bis 1876 als Staatsschreiber. 

Die Industrialisierung führte zur Landflucht und zu einem raschen Bevölkerungswachstum vor allem in den Zürcher Vororten.

Die Grossstadt Zürich

Erst die Vereinigung Zürichs mit insgesamt 19 Gemeinden (1893 und 1934) schuf die heutige Grossstadt. Schon im späten 19. Jh. setzte die Citybildung ein. Zürichs Bevölkerungszahl erreichte im Jahr 1962 mit etwas über 445 000 Einwohnern den Höhepunkt; seither verlagerte sich die Bevölkerung in die sich ausweitende Stadtagglomeration. 1989 zählte Zürich noch knapp 356 000 Einwohner; nach einer Stagnationsphase wuchs die Stadtzürcher Bevölkerung ab 2005 wieder auf über 400 000.

Zürich als wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum

Die überragende wirtschaftliche Bedeutung Zürichs, namentlich im Dienstleistungssektor (Bank und Versicherung, Kommunikation, Television, Tourismus) verstärkt sich noch durch den nahen Flughafen Zürich-Kloten. Der Bau der S-Bahn begünstigt die Ausdehnung der Agglomeration, die mittlerweile bis in andere Kantone hinein reicht. 2009 wurde der Üetliberg-Tunnel eröffnet, womit sich die Stadt auf der Autobahn im Westen wie schon im Norden umfahren lässt. Mit seinem breiten Spektrum wissenschaftlicher und kultureller Aktivitäten hat Zürich auch in dieser Hinsicht eine führende Rolle übernommen (Universität Zürich und ETH, Schauspielhaus, Oper und Tonhalle, Landesmuseum, Kunsthaus, Museum Rietberg, Archive und Bibliotheken).

Weiterführende Quellen

Informationen finden Sie auch auf den Seiten des Stadtarchivs und der Abteilungen Archäologie und Denkmalpflege.

Als besonderes Angebot stehen Ihnen die Sammlung des Baugeschichtlichen Archivs zur Verfügung. Historische und aktuelle Bilder der Stadt Zürich - insgesamt über 120 000 Fotografien und graphische Darstellungen - vermitteln einen Eindruck der Veränderungen, die das Stadtbild laufend erfährt.

Die Geschichte der Stadt Zürich können Sie auch auf einem kommentierten Altstadt-Spaziergang, einem historischen Stadtrundgang oder beim Besuch eines der archäologischen Fenster erleben.