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Gleichstellungsgesetz

Die Gleichstellung von Mann und Frau und das Recht auf gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit sind in der Bundesverfassung verankert.

Mit dem Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann (Gleichstellungsgesetz, GlG) wird diese Verfassungsbestimmung umgesetzt. Das GlG verbietet es, jemanden in der Arbeitswelt aufgrund seines Geschlechts zu benachteiligen.

Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann 

Für wen gilt das Gleichstellungsgesetz?

Das Gleichstellungsgesetz gilt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,

  • die privatrechtlich angestellt sind.

    Dabei spielt es keine Rolle, welche Form (schriftlich, mündlich, stillschweigend) oder Art (Einzel-, Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag) des Vertrags vorliegt.

  • die öffentlich-rechtlich angestellt sind.

    Dabei spielt es keine Rolle, auf welcher Grundlage (Vertrag, Gesetz, Statut) oder bei wem (beispielsweise Stadt oder Kanton Zürich, Bund, Gemeinden, öffentlich-rechtliche Anstalten) sie angestellt sind.

Wann ist die Gleichstellung der Geschlechter zu respektieren?

Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin ist während der gesamten Arbeitsbeziehung verpflichtet, die Gleichstellung von Mann und Frau zu respektieren. Die Pflicht betrifft also die Zeit ab der Stellenausschreibung bis hin zur Kündigung des Arbeitsvertrags.

Was ist eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts?

Als Diskriminierung gilt eine ungleiche Behandlung zwischen einem Mann und einer Frau, die einzig und allein auf dem Geschlecht beruht.

Das Gesetz verbietet jegliche Diskriminierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aufgrund ihres Geschlechts (Art. 3 Abs. 1 GlG). Dieses Verbot betrifft auch Ungleichbehandlungen aufgrund des Zivilstands, der familiären Situation oder aufgrund einer Schwangerschaft.

Nach herrschender Lehre hat die Aufzählung von diesen drei Kriterien in Art. 3 GlG keinen abschliessenden Charakter.

Als weitere Beispiele sind vor allem die Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder der Geschlechtsidentität zu erwähnen. Die Schlichtungsbehörde des Kantons Zürich hat in mehreren Fällen Diskriminierungen aufgrund der Homosexualität bzw. Trans* der Betroffenen in Anwendung des Gleichstellungsgesetzes festgestellt.

Datenbank Entscheide nach Gleichstellungsgesetz 

Beispiele

Beispiel einer Diskriminierung aufgrund des Zivilstandes

Im Zuge wirtschaftlicher Probleme entlässt ein Arbeitgeber die verheirateten Frauen mit dem Argument, ihr Einkommen sei nur ein Zusatzverdienst.

Beispiel einer Diskriminierung aufgrund der familiären Situation

Eine Arbeitgeberin weigert sich systematisch, Frauen mit kleinen Kindern zu befördern. Sie begründet dies damit, diese Frauen seien für ihre Arbeit weniger verfügbar.

Beispiel einer direkten und einer indirekten Diskriminierung 

Es wird zwischen indirekter und direkter Diskriminierung unterschieden.

Die Diskriminierung ist direkt, wenn sie ausdrücklich auf dem Geschlecht oder auf einem geschlechtsspezifischen Kriterium beruht. Beispiel:

  • Die Firma sieht Weiterbildungen nur für männliche Mitarbeiter vor.

Die Diskriminierung ist indirekt, wenn die Ungleichbehandlung zwar auf den ersten Blick nicht aufgrund des Geschlechts besteht, aber in der Praxis zu einer Benachteiligung des einen Geschlechts gegenüber dem anderen führt. Beispiel:

  • Zur Ausübung eines bestimmten Berufs wird eine Mindestgrösse festgelegt. Frauen sind jedoch im Durchschnitt kleiner als Männer.

Eine diskriminierende Massnahme ist auch dann rechtswidrig, wenn der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin ohne diskriminierende Absicht gehandelt hat. Die Ungleichbehandlung von Frau und Mann ist nur dann verboten, wenn sie nicht durch einen objektiven Grund gerechtfertigt ist. Das Geschlecht allein ist kein solcher objektiver Grund.

Beispiel einer objektiv erklärbaren Ungleichbehandlung 

Eine Ungleichbehandlung von Frau und Mann ist nur dann zulässig, wenn sie durch einen objektiven Grund gerechtfertigt werden kann. Das Geschlecht allein gilt nicht als objektiver Grund. Beispiel:

  • Frau Ackermann und Herr Bolzli arbeiten als Ingenieurin und Ingenieur im selben Architekturbüro. Herr Bolzli verdient mehr als Frau Ackermann. Herr Bolzli hat jedoch bereits 15 Jahre im Bereich Architektur gearbeitet, während Frau Ackermann nur fünf Jahre im Bereich Bankensoftwareentwicklung gearbeitet hat. Der Lohnunterschied ist deswegen objektiv erklärbar.

Wie Vorgehen bei einem Konflikt? Anlaufstellen und weitere Angebote

Die Fachstelle für Gleichstellung erteilt kostenlos Auskünfte zum Gleichstellungsgesetz und zum Vorgehen bei Konflikten. Informationen über die Rechtssituation im Erwerbsleben und Tipps, wie gegen geschlechtsspezifische Ungleichbehandlungen vorgegangen werden kann, finden sich auch im von der Fachstelle mitherausgegebenen Ratgeber:

Ratgeber «Gleichstellung von Frau und Mann im Erwerbsleben»

Weitere Anlaufstellen für rechtliche Fragen in der Stadt Zürich: Beratungsstellen

www.gleichstellungsgesetz.ch 

Auf der online-Datenbank www.gleichstellungsgesetz.ch finden sich über 700 Fälle nach Gleichstellungsgesetz aus der deutschsprachigen Schweiz. Zusätzlich zu den Entscheiden und relevanten Gesetzestexten enthält die Website nützliche Informationen wie eine Wegleitung durch die kantonalen Gerichtsinstanzen und Links zu den Fach- und Beratungsstellen. Die Datenbank richtet sich an Arbeitnehmer- und ArbeitgeberInnen, JuristInnen, Beratungsstellen und Medienschaffende.

Finanzhilfen für die Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben

Für die aktive Förderung der Chancengleichheit im Erwerbsleben stellt der Bund finanzielle Mittel bereit. Unterstützt werden innovative und praxisnahe Projekte mit langfristiger Wirkung sowie Beratungsstellen. Auch Unternehmen können von dieser Unterstützung profitieren.

Finanzhilfen für Gleichstellung im Erwerbsleben

Mit Finanzhilfen geförderte Projekte: Datenbank Topbox 

Analyse Gleichstellungsgesetz

Eine neue Studie zu rund 200 kantonalen Gerichtsentscheiden im Zeitraum 2004–2015 zeigt, dass sich Probleme in der Anwendung des Gesetzes hartnäckig halten. Weiterhin wird am häufigsten wegen Lohnungleichheit geklagt. Darüber hinaus verzeichnet die Studie einen starken Anstieg von Fällen, bei denen es um Diskriminierung aufgrund von Schwangerschaft oder Mutterschaft geht.

Die Co-AutorInnen der Studie sind Prof. Karine Lempen (Universität Genf) und Aner Voloder (Jurist, Zürich).

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