Keine Chance für Keime

Die tadellose Sterilisation der Arbeitsgeräte eines Spitals ist für Patientinnen und Patienten zurecht eine Selbstverständlichkeit. Doch ein Blick hinter die Kulissen der «Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung» zeigt, wie gross der dafür betriebene Aufwand ist.

Wer die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) besucht, braucht etwas Zeit. Denn in die meist «Steri» genannten Räume kann man nicht einfach reinspazieren. Der Zutritt wird mit einem Schleusensystem geregelt. Erst gelangt man in eine Garderobenzone, wo man sich von den persönlichen Kleidern trennt und in eine «sterikonforme» Uniform schlüpft. Ist man drin, erwartet einen nicht nur eine durch und durch klinische Atmosphäre, sondern auch die Begrüssung durch den Leiter der ZSVA, Besim Zumeri, und damit eine geballte Ladung ansteckender Freundlichkeit. Jetzt geht es los auf einen Rundgang durch die Welt von Reinigung, Desinfektion und Sterilisation.

Klare Zonen – präzise Aufgaben

In der ersten von drei Zonen, der blau markierten Nasszone, wird das gebrauchte Material entgegengenommen. Hier sind die verschiedenen Instrumente noch kontaminiert. Entsprechend schützen sich die Mitarbeitenden durch spezielle Kleidung, von Schutzbrillen bis zu besonderen Handschuhen. Ebenfalls aus prophylaktischen Gründen haben sie ihre Fingernägel kurz geschnitten – genau wie Pflegepersonen oder Ärztinnen und Ärzte. Auch das Tragen von Schmuck ist tabu. 

Kein Teil gleicht dem anderen

Vor der Reinigung wird jedes einzelne Instrument elektronisch erfasst und kann so auf seinem Weg durch die ZSVA lückenlos verfolgt werden.

Das zu reinigende Gut ist sehr vielfältig. Neben Skalpellhaltern, Klemmen oder Gipsscheren befinden sich auch ganze Antriebsmaschinen darunter. Das sind Motoren, die mit Aufsätzen zum Bohren oder Sägen eingesetzt werden. «Bis auf die Batterie wird alles vollständig aufbereitet», erklärt Besim Zumeri nicht ohne Stolz.

Nach der elektronischen Erfassung aller Teile werden sie auf grosse Siebe geladen und in einer von insgesamt vier Reinigungs- und Desinfektionsmaschinen kräftig gespült. Die Geräte erkennen automatisch, welches Gut sich im Sieb befindet, und wählen das richtige Programm. Auf den ersten Blick sehen die Anlagen aus wie Haushaltgeschirrspüler. Tatsächlich ist ihre Leistung aber um ein Vielfaches höher. Ausserdem werden sie von der einen Seite beladen und nach Abschluss der Reinigung auf der anderen Seite entladen. Jetzt befinden sich die Instrumente in der gelben Reinzone. Grosse Luftfilter sorgen dafür, dass es hier kaum Staubpartikel gibt. Die ganze Szene erinnert an Bilder, wie man sie von der Produktion von Computerchips kennt.

Zusammenspiel Mensch und Maschine

In dieser Zone erfolgt nun die eingehende Prüfung der Sauberkeit durch Fachangestellte. Sie checken nicht nur, ob alles restlos sauber ist, sondern auch die vollständige Funktion der Instrumente. Wenn etwas nicht mehr tadellos funktioniert, wird es entweder in die Reparatur geschickt oder aus dem Verkehr gezogen. Das zeigt auch, dass es bei aller Automatisierung und digitalen Steuerung sowie Kontrolle nicht ohne Menschen geht. Besim Zumeri schwärmt: «Unser Team ist multikulturell und wir profitieren von einer guten Balance verschiedener Talente, Erfahrungen und menschlicher Qualitäten.» 

Alles jederzeit und überall im Griff

Die hochmoderne Anlage wird vollständig elektronisch gesteuert und überwacht. Das Programm dafür heisst «Mario». Es überprüft bei allen eingesetzten Geräten eine Vielzahl von Sollwerten. Bei der kleinsten Abweichung informiert das System. Werden gewisse Werte verfehlt, kann eine Charge im Gerät zurückbehalten werden. Die Erfassung ist so lückenlos, dass man von jedem einzelnen Teil, das die Abteilung durchläuft, weiss, wer es wann und wie bearbeitet hat. All diese Kontrollen dienen letztlich der Sicherheit.

Weiter zur Sterilisation

Stetiger Kreislauf: In rund fünf Stunden von verschmutzt zu steril.

Nach Abschluss der Reinigung werden die verschiedenen Bestecke in der Packzone zusammengestellt. Und das exakt so, wie sie in den Operationssälen oder auf den Abteilungen benötigt werden. Je nach Einsatzgebiet und der Anzahl Instrumente kommt Fliesspapier, verschweissbare Folie oder ein Container aus Metall zum Einsatz. Schliesslich wird alles in die sogenannten Autoklaven geschoben. Diese Sterilisiergeräte funktionieren ganz ähnlich wie ein Dampfkochtopf. Alle Teile werden darin mit 134 Grad heissem Dampf sterilisiert. 

Nach Abschluss dieser Prozedur sind sie wieder einsatzbereit und können ein weiteres Mal zum Wohl der Patientinnen und Patienten benutzt werden.