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Umbau und Instandsetzung Zentrum Dorflinde

Das Zentrum Dorflinde hat für die Bevölkerung von Zürich-Oerlikon einen hohen Identifikationswert. Die Architekten von GFA Gruppe für Architektur leiteten die mehrjährige Gesamtsanierung des Zentrums, Neff Neumann gestalteten das neue und vergrösserte Alterszentrum.

Aussenbereich Dorflinde (© Georg Aerni, Zürich)
Aussenbereich Dorflinde (© Georg Aerni, Zürich)

Der 1976 erbaute Gebäudekomplex vereinigt viele Funktionen: Alterszentrum, Jugendwohnen, ein Sozialzentrum, aber auch Läden und Café sowie ein öffentliches Parkhaus. Die grosse Herausforderung lag darin, eine Gesamt-Strategie zu finden, die für alle diese Nutzungen je eine angepasste Lösung bereithält.

GFA Gruppe für Architektur leitete die Gesamtsanierung, Neff Neumann Architekten bauten das Altersheim tiefgreifend um. Dieses bietet nach dem Umbau ein differenziertes Angebot von 120 Appartements unterschiedlicher Grösse an. Die Pensionäre haben zudem die Wahl zwischen selbständigem Wohnen mit Serviceleistungen nach Wahl oder Vollpension. Dazu kommt neu eine Pflegewohngruppe.

Die Gesamtwirkung der «Dorflinde» mit ihren charakteristischen Farben und Materialien blieb bei der Erneuerung intakt. Alle Gebäude wurden energetisch saniert; dabei wurden je nach Gebäude Einsparungen im Energieverbrauch von 50 bis 85 Prozent erreicht. Das Alterszentrum entspricht dank Innendämmung sogar den Minergie-Standard für Neubauten.

Die zeittypischen Kunstwerke aus den 1970er-Jahren von Wilfried Moser, Franz Grossert und Rolf Lipski prägen auch in Zukunft das Zentrum Dorflinde. Die Zürcher Künstlerin Vreni Spieser gestaltete die Korridore und Lounges im Alterszentrum mit farbigen Tapeten und wählte dazu sieben Bilder des Berner Malers Hans Stalder aus, welche die Gemeinschaftsräume schmücken. Einen verbindenden gestalterischen Akzent im Aussenraum setzte der Platzbelag aus runden Flächen, die an Trittsteine in einem Fluss erinnern. Entstanden ist er in enger Zusammenarbeit zwischen dem Wiener Künstler Gilbert Bretterbauer und GfA Gruppe für Architektur.

Architekturportraits

Architekturportrait Zentrum Dorflinde mit Detlef Schulz.

0:11 Die Bauten der 70er-Jahre haben vor allem eine Eigenschaft: Sie sind kolossal.
0:17 Wir versuchten, dieser kolossalen Schwere,
0:20 die ein bisschen schwierig zu lesen und zu akzeptieren ist, eine neue Spur zu geben.
0:25 Eine zusätzliche Spur, wie eine Tonspur bei einem Film.
0:37 In den 70er-Jahren hat man ein Konglomerat aus achtzehn alten Häusern abgerissen,
0:43 um eine neue Vision, eine neue Utopie zu bauen.
0:47 Ein neues Dorfzentrum für einen neuen Stadtteil.
0:50 Dieses Zentrum hat nicht funktioniert.
0:52 30, 40 Jahre später ging es nun darum, nicht nur technisch zu sanieren,
0:57 sondern: Welche baulichen Massnahmen können wir treffen -
1:01 dabei ging es nur um eine Art Akupunkturen,
1:04 kleine Arbeiten -, um das Areal so umzukrempeln, zu transformieren,
1:10 dass es diese Attraktivität zurückerhält.
1:12 Es soll nicht nur als Ort einer Dienstleistung wahrgenommen werden, sondern als Treffpunkt.
1:21 Ein Problem war: Die Architektur der 70er-Jahre hat Grünraum und Platzraum vermischt.
1:28 Das war damals eine Vision:
1:30 Man schuf Platzräume, müllte sie aber gleich mit Grünzeug zu.
1:34 Das erzeugte dunkle Winkel, verborgene Winkel.
1:38 Das mag romantisch und pittoresk sein.
1:41 Für einen öffentlichen Raum in den 90er-Jahren, schon in den 80er-Jahren, war es unhaltbar.
1:47 Hier ist ein Beispiel: Wir sagten, auf der Strassenebene gibt es noch Bäume,
1:53 aber nur einzelne Bäume. Aber Grün als Masse und Buschwerk
1:58 kommt nach oben ins erste Obergeschoss, wo die schönen Gärten sind,
2:02 rund um das Altersheim und das Junge Wohnen. Da stärken wir das Grün.
2:07 Hier unten dünnen wir es aus.
2:31 Eine grosse Frage war: Wie behandeln wir den Bodenbelag zwischen all den Häusern?
2:36 Wir haben Grün entfernt, mehr Platz geschaffen.
2:40 Das ergab mehr Fläche zum Nutzen, Begehen, Befahren, was auch immer.
2:45 Was also macht man mit dem Boden? Bautechnisch gab es kaum Möglichkeiten.
2:50 Bei so wenig Platz brauchten wir Asphalt.
2:55 Etwas anderes ging nicht, weder Naturstein noch Kunststein.
2:59 Es gab keine Alternative zu Asphalt,
3:02 denn die Asphaltschicht ist zugleich die Abdichtung.
3:05 Das war nicht wie heute: Zuerst kommt Abdichtung, dann Dämmung, dann Aufbau;
3:10 dann kann man machen, was man will.
3:12 Damals hat man das ganze Untergeschoss bloss mit 3 cm Asphalt abgedichtet.
3:20 Wir konnten also nur neuen Asphalt machen.
3:23 Dann stiessen wir auf einen Textilkünstler, den wir kannten:
3:27 Gilbert Bretterbauer in Wien.
3:30 Wir fingen an mit ihm zusammenzuarbeiten. Am Ende ist das übriggeblieben,
3:35 was hier umgesetzt ist: ein Muster aus verschieden grossen Kreisen.
3:40 Das hilft, den Massstab dieser sehr grossen städtischen Räume
3:46 auf die menschliche Ebene herunterzuholen, einen Massstabssprung einzuführen,
3:51 über eine Platz-Zeichnung, die mit 3 cm Asphalt gemacht werden musste.
4:05 Der Boden verläuft übrigens durchgehend, durch das Café.
4:10 Das Café steht auf der Mitte des Platzes.
4:13 In den 70er-Jahren stand es nicht in der Mitte, sondern am Rand.
4:18 Wir haben es nicht verschoben, aber auf einer Seite war ein Urwald.
4:23 Es hatte nur eine Fassade zum Platz hin.
4:25 Jetzt steht das Café frei auf dem Platz.
4:28 Das bewirkt auch der Bodenbelag, der durch das Café hindurch verläuft.
4:34 Dieselbe Zeichnung kommt im Café vor und läuft auf der andern Seite des Cafés raus.
4:39 Im Café sitzt man also auch auf dem Platz, aber unter dem Schutz des Daches.
4:54 Was die Farbigkeit der Anlage angeht,
4:58 so gingen wir stark von den Ursprungsfarben aus.
5:01 Sie haben eine Stärke und gehören zu den Häusern.
5:04 Es wäre sinnlos, die Häuser blau zu malen, nur weil man das schöner fände.
5:09 Wir haben uns mit den vorhandenen Farben auseinandergesetzt.
5:12 Wir haben sie aber leicht angepasst.
5:17 Im Ursprungsbau war der ganze Sockel dunkelbraun.
5:22 Das haben wir in ein Rotbraun verwandelt,
5:27 um eine gewisse Freundlichkeit zu erzeugen.
5:30 Es ist aber im selben Farbkanon vorhanden.
5:33 Dann tupften wir auf dem rauen Verputz die Spitzen des Verputzes
5:39 ganz leicht goldfarben.
5:43 Das bewirkt einen enormen Effekt.
5:46 Dadurch, dass die Spitzen hell werden,
5:49 wird das "Tal", der hintere Teil des Verputzes dunkler.
5:54 Rein relativ.
5:56 Das erzeugt eine enorme Tiefe.
5:59 Das war ein Element, das uns interessierte.
6:04 Es gibt den glatten Beton, den rauen Verputz Kann man das noch verstärken?
6:09 Das hat man mit dieser Massnahme erreicht.
6:12 Eine weitere feine Massnahme ist,
6:15 dass diese Gebäude aus den 70er-Jahren ganz dicke Kittfugen aufweisen.
6:19 Die sind klassischerweise grau.
6:21 Wir sagten uns, das interessiert uns nicht.
6:23 Wenn die grau sind, fällt das auseinander; es gibt diesen grauen Raster.
6:27 Wir überstreichen sie
6:29 mit der Farbe des Verputzes oder des Betons.
6:32 Einzelne streichen wir blau heraus.
6:36 Das Blau und das Gold auf den Spitzen sind zwei kleine Massnahmen,
6:40 die vielleicht nicht bewusst wahrgenommen werden,
6:43 für die Gesamterscheinung aber eine enorme Bedeutung haben.
6:52 Wir erklärten das Parkhaus unterhalb des Strassenniveaus zur öffentlichen Ebene.
6:57 Das ist auch Teil der Öffentlichkeit.
6:59 Wir haben also dieselben Farben, das gleiche Lichtkonzept,
7:02 das gleiche Signaletik-Konzept verwendet.
7:05 Das waren Massnahmen,
7:07 um die drei Ebenen Garten, Platz und öffentliches Parkhaus aneinanderzubinden
7:13 und alle drei je auf eigene Art attraktiv zu machen.
7:38 Es ist nicht ein blosses Make-up, keine Retusche.
7:42 Es ist eine Art Facelifting im positiven Sinne.
7:46 Die Substanz bleibt erhalten, aber man versucht über feine Veränderungen
7:51 ein Plus herauszuholen, bei dem es nicht nur darum geht,
7:55 etwas in die Jahre Gekommenes wieder ansehnlich zu machen,
7:59 sondern ihm eine neue Chance zu geben.

Architekturportrait Alterszentrum Dorflinde mit Barbara Neff.

0:02 Die grösste Faszination war die Architektur aus den 70er-Jahren.
0:06 Was mich ebenfalls sehr fasziniert hat,
0:10 was dann wohl auch unsere Arbeit prägte,
0:13 war die enge Verbindung von Kunst und Architektur.
0:17 Eine Verknüpfung und ein gegenseitiges Bedingen von Kunst und Architektur.
0:38 Es sind Kunstwerke die viel Leichtigkeit und Kraft ausstrahlen.
0:44 Das hat uns auch inspiriert, weiter so zu denken.
0:50 Oder so zu arbeiten.
0:52 Intuitiv und spielerisch das eigene Werk weiterzuführen,
0:57 im Zeitgeist der 70er-Jahre.
1:01 Die Rundungen in den oberen Etagen gab es vorher nicht.
1:04 Die haben wir eingeführt, erfunden.
1:08 Wer neu das Haus betritt, kommt kaum darauf,
1:10 dass die Rundungen nicht aus den 70er-Jahren stammen,
1:14 sondern von uns aus unserer Zeit eingeführt wurden.
1:17 Es gibt im Speisesaal diese Filterelemente.
1:21 Die Wand zwischen Korridor und Speisesaal,
1:26 die wir aufbrechen wollten.
1:30 Heute gibt es diese Betonelemente. Die waren vorher auch nicht da.
1:34 Auch die haben jetzt eine Selbstverständlichkeit,
1:37 bei der man nicht denkt: Ah, das ist die Intervention von 2015,
1:42 die hier neu eingeführt wurde.
1:45 Wir kokettieren mit den Elementen aus jener Zeit.
1:49 Zwischen zwei Stützen haben wir Spiegel eingeführt.
1:53 Auch ganz niederschwellig. Man merkt es kaum.
1:57 Die Gläser selber spiegeln auch ein bisschen.
2:00 Beim Hinausgehen noch zwei Spiegel zu haben,
2:03 das ist mit einem Augenzwinkern gemeint:
2:06 Wer aus dem Speisesaal geht, guckt vielleicht noch kurz in den Spiegel.
2:09 Oder sie sehen wie im Rückspiegel, wer hinter ihnen geht.
2:13 Das ist ein spielerisches Element, bei dem wir uns vorstellten,
2:18 das könnte der eine oder andere mit Humor in den Alltag integrieren.
2:27 Der Speisesaal hatte nur zwei Fensterachsen, war also viel kleiner.
2:33 Wegen der viel grösseren Anzahl Bewohner
2:37 mussten wir einen viel grösseren Speisesaal machen.
2:41 Beim Fokus, den der Raum hat, dem Wandbild,
2:44 fragten wir uns, ob dessen Ausstrahlung ausreicht
2:48 für einen Raum, der fast viermal so gross ist wie vorher.
2:55 Ähnlich die Eingangshalle. Die war ein geschlossener Raum.
2:59 Wir fragten uns, ob der funktioniert, wenn er sich so öffnet.
3:03 Verliert er seine fast sakrale Wirkung oder Kraft?
3:07 Auch hier haben wir mit Modellen gearbeitet, um das überprüfen zu können.
3:14 Das Haus lädt aber dazu ein, etwas unakademisch oder anders zu arbeiten.
3:20 Das hat uns viel Freude gemacht.
3:35 Wenn man heute eingeschossige Anbauten macht,
3:38 ist der erste Gedanke immer: Was geschieht auf dem Dach?
3:41 Auf dem Dach des Speisesaals war ein Dementen-Garten geplant.
3:45 Alle Fenster zur Dachfläche hin hatten eine hohe Brüstung.
3:50 Die Idee war nie, dass irgendwer auf die riesige Fläche hinaustritt.
3:55 Wir mussten alle Fenster dementsprechend hinunterschneiden,
4:01 bis auf den Boden hinab, damit ein Bezug zwischen innen und aussen entstehen konnte.
4:07 Es waren kleine Zimmerfenster, die auf einen grossen Garten hinausgingen.
4:13 Damit der Dementengarten für die Benutzer eine grosse Chance würde,
4:19 musste das Innen-Aussen architektonisch wieder funktionieren.
4:55 Früher waren das Alterswohnungen und ein Altersheim,
4:59 zwei Betriebe unter einem Dach.
5:02 Die Alterswohnungen sind ausgezogen, das Ganze ist nun ein Altersheim,
5:06 mit fast doppelt so vielen Bewohnern.
5:09 Die Verschiebung zu Bewohnern, die Bedürfnisse haben ...
5:16 Man hat Korridore zusammengelegt, damit die Leute sich mehr begegnen.
5:20 Sonst hätte auch die Gefahr einer Anonymisierung entstehen können.
5:25 Dem wollten wir Rechnung tragen,
5:27 indem wir Etagen-Lounges auf jedem Geschoss einführten.
5:31 Damit es nicht nur den Speisesaal und die Eingangshalle gibt,
5:34 sondern auch ein niederschwelliges Angebot eines Aufenthaltsbereichs
5:39 für die älteren Menschen, damit sie sich dorthin zurückziehen können,
5:44 vielleicht mal aus ihren vier Wänden, aber nicht ganz hinaus.
5:52 Es darf nicht nur in den 70er-Jahren diese enge Zusammenarbeit gegeben haben
5:56 zwischen Künstler und Architekt.
5:58 Wir hätten das jetzt, in unserer Zeit, auch gern.
6:03 Das ist die etagenübergreifende Kunst von Vreni Spieser.
6:07 Sie ging von der Volière aus
6:10 und suchte für jede Etage einen Vogel aus.
6:15 Uns faszinierte, dass sich die Stockwerke entwickeln.
6:19 Die Korridore werden kleiner.
6:21 Das Haus wird gegen oben immer schmaler.
6:25 Es gibt aber eine Wiederholung von gleichen räumlichen Situationen.
6:31 Die Architektur und der Raum bleiben sich gleich,
6:36 aber aufgrund der verschiedenen Farben gibt es eine ganz andere Raumwahrnehmung.
6:41 Das hat uns als Architekten sehr interessiert.
6:44 Es ergibt aber auch eine gewisse Komplexität
6:49 und eine Vielfalt für einen Bewohner, der sich in dem Konglomerat bewegt.
6:53 Wenn er in die Aktivierung geht,
6:56 hat der Korridor eine ganz andere Wirkung
6:59 als das, was er aus seinem Geschoss kennt und mitnimmt.
7:02 Es war für uns berauschend, mit diesen Elementen zu arbeiten
7:07 und das Haus fast wie ein Skulpteur weiter zu modellieren.
7:17 Das halte ich für einen wichtigen Beitrag,
7:19 den die Gesamtinstandsetzung leisten kann:
7:23 Dass man diesen - aus meiner Sicht -
7:26 imposanten und wichtigen Zeitzeugen aus Zürichs 70er-Jahren
7:29 auf diese Weise integral erhalten konnte.
7:34 Dass man ihm ein neues Leben einhauchen konnte,
7:38 das für längere Zeit eine grosse Ausstrahlung haben wird.

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich
  • Eigentümervertretung: Immobilien Stadt Zürich
  • Bauherrenvertretung: Amt für Hochbauten
  • Architektur: Neff Neumann, Zürich; GFA Gruppe für Architektur, Zürich
  • Landschaftsarchitektur: Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG, Zürich
  • Kunst und Bau: Gilbert Bretterbauer, Hans Stalder, Vreni Spieser
  • Erstellungskosten: 40.4 Mio. Franken
  • Bauzeit: 2009 – 2011

Standort

Zentrum Dorflinde
Dorflindenstrasse 4
8050 Zürich

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