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Freibad Letten

Hans Aeschbacher, «Vénus de Six-Fours», 1952

Lavasteinskulptur im Flussbad

Sie scheint der Steinzeit anzugehören, die Vénus de Six-Fours, die auf der Sonnenterrasse des Flussbads Oberer Letten steht. Tatsächlich ist diese Figur aus dunklem, porösem Lavastein, die mit ihren schwellenden Formen unweigerlich an eine Fruchtbarkeitsgöttin denken lässt, aber gleichzeitig mit dem Bad entstanden.

Leicht und elegant konstruiert, ist diese nach Plänen von Elsa und Ernst Burckhard-Blum auf dem Lettenkanal errichtete Badeanlage ein hervorragendes Beispiel moderner Architektur und erhielt 1957 die Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich. Sie ist im Inventar der schützenswerten Gebäude erfasst, wurde 2011/12 umfassend saniert und von später hinzugefügten Bauten befreit.

Die 1952 datierte Venus ist nach dem provenzalischen Küstenort Six-Fours-les Plages benannt, wo sich der Zürcher Bildhauer Hans Aeschbacher (1906–1980) 1947 niedergelassen hatte. In ihrer zutiefst archaischen Anmutung ist sie ein schönes, reifes Beispiel für seine um den weiblichen Eros kreisende Werkphase, die er in Anlehnung an einen Begriff des Schriftstellers Adrien Turel als «tellurisch-sinnliche» bezeichnete.

Nach dieser Periode näherte sich Aeschbacher der konkreten Kunst an und verlegte sich auf die Stereometrie. Mit seinen hohen Stelen, denen man im Zürcher Stadtraum ebenfalls begegnen kann, gelangte Aeschbacher, der 1977 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich ausgezeichnet wurde und zu den herausragenden Bildhauern der Schweiz gehört, auch zu internationalem Ansehen.

Die Abstraktion beschäftigte Hans Aeschbacher schon früh. In Südfrankreich entstanden weitgehend abstrakte weibliche Idole und Venusfiguren. Den Lavastein, den er für einige von ihnen verwendete, fand er in der unmittelbaren Umgebung seines Hauses, einer Erhebung, die er zu seinem «Zauberberg» erklärte. Die in «taille directe» aus dem Stein gehauene Vénus de Six-Fours bewegt sich an der Grenze zwischen Ungegenständlichkeit und Figuration. Es sieht so aus, als müsste sie sich erst von einer Ummantelung befreien, um deutliche Gestalt anzunehmen, als sei sie noch in einem Kokon gefangen.

Aeschbacher liebte es, den Stein «auszuhorchen» und ihm seine innersten Kräfte zu entlocken. Aus diesem Lavastein drängt es mächtig ans Licht. Dabei ist diese Venus von einer erdhaften Schwere, die sie im zeitlosen Reich des Tellurischen situiert.

Caroline Kesser, März 2013

Kunst Hans Aeschbacher (1906–1980)
«Vénus de Six-Fours», 1952
Lavastein, 168 x 105 x 62 cm
Foto: Marc Lendorff 
Adresse Flussbad Oberer Letten
Lettensteg 10
8006 Zürich 

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