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Anlagebetrug

Nachhaltig geht anders – das fiese Geschäft mit «ethischen» Anlageprodukten

Schweizer Banknoten

Schnelles Geld – das winkt leider nur dem dubiosen Finanzanbieter. Immer wieder investieren Anleger ihr Erspartes in scheinbar nachhaltige Wertpapiere. Die Schadenssumme bewegt sich je nach Fall zwischen 1000 bis 500000 Franken.

Ein Glückstreffer in Zeiten von Minuszinsen? Lisa M.*¹ stutzt, als sie im Internet auf folgende Anzeige stösst: Anlegen mit gutem Gewissen? Festverzinsliche Geldanlage mit garantiert 8.25% Zinsen, auch kurzfristige Laufzeiten möglich.

Auf so ein Angebot hat sie schon lange gewartet, schliesslich möchte Lisa M. ihr Erspartes nicht einfach auf dem Konto parkieren, sondern gewinnbringend anlegen. Dass es sich in diesem Fall noch um ein nachhaltiges Business handelt, bestärkt die Frau. Auch sonst setzt sie sich leidenschaftlich für die Umwelt ein.

Lisa M. besucht die Internetseite, die einen seriösen und sympathischen Eindruck macht. Sie schliesst einen Vertrag für eine festverzinsliche Geldanlage von 50000 Euro ab. Vertragspartner ist die Firma Weinacht&Silvester Investment*², der Firmensitz an der Bürkliplatzstrasse*³ in Zürich. Gemäss dem Beschrieb auf der Webseite, wird das Geld in einem Treuhandfond einer Schweizer Grossbank deponiert. Misstrauisch wird Frau M. erst, als sie ihr Erspartes überweist: Die Bezeichnung des Kontos weicht von den Angaben auf der Internetseite ab. Panisch fordert sie sofort eine Rücküberweisung ein. Doch das Geld ist verloren.

Die Polizei stellt später fest, dass es die Firma gar nicht gibt. Zurückverfolgen lässt sich aber, wo sich die Summe von Frau M. befindet: in Rumänien. Es stellt sich heraus, dass die Inhaber der Bankkonten so genannte “Money Mules” waren, also Geldwäscher, die vom Delikt keine Ahnung hatten und ihre Auftraggeber auch nicht kannten.

Die Masche: Nachhaltiges Anlegen ohne Risiko? Schön wär’s!

Ob Baumplantagen in Rumänien oder Windanlagen in Polen – viele dubiose Anbieter sprechen derzeit bewusst das ökologische Gewissen der Leute an und versuchen, sie auf diesem Weg zu ködern. So verlieren gutgläubige Opfer oft hohe Geldsummen.

Der Betrug läuft in der Regel ähnlich ab: Meist werden Anleger mit wertlosen Aktien abgespeist. Die Betrüger gehen dabei äusserst aggressiv vor: Häufig werden die potenziellen Opfer ohne Vorkontakt angerufen und penetrant zum Kauf gedrängt. Am Telefon wird etwa mit einem geplanten Börsengang geworben, der den Wert der Aktie angeblich um ein x-Faches ansteigen lassen soll. Es kommt vor, dass unerfahrenen Anlegern sogar beim E-Banking unter die Arme gegriffen wird.

Um seriös zu wirken, sind die Webseiten und Broschüren äusserst professionell gestaltet. Neben dem hohen Kaufpreis der Aktien verlangen die Verkäufer dann meist auch noch eine stattliche Kommission.

Drahtzieher: Wer agiert hier?

Bei den Gesellschaften handelt es sich meist um leere Aktienmäntel, die nie operativ tätig geworden sind. Das ergaunerte Geld wird sofort abgezogen; die Firma liquidiert. Und der Anleger verliert in der Folge: alles. Ist es einmal so weit gekommen, lässt sich nicht mehr viel richten: Die Drahtzieher können aufsichts- und strafrechtlich kaum belangt werden, da sie oftmals aus dem Ausland über Strohmänner in der Schweiz agieren.  

Soweit muss es nicht kommen, wenn sie unsere Tipps beachten.

* ¹ Name geändert
*² Fiktiver Firmenname, existiert nicht
*³ Oft werden Strassennamen verwendet, die es gar nicht gibt

Tipps

So prüfen Sie die Investoren

  • Nehmen Sie sich Zeit, wenn es um Investitionen geht. Und lassen Sie sich schon gar nicht unter Druck setzen. Nur wer ein Finanzprodukt durch und durch verstanden hat, sollte investieren.
  • Vorsicht bei unrealistischem Gewinnpotenzial. Angebote, die schnelle Gewinne versprechen, sind meist mit hohen Risiken verbunden. Dies trifft auch auf binäre Optionen zu.
  • Es handelt sich auffällig oft um Gesellschaften in besonders attraktiven Bereichen: wie Wind- und Sonnenenergie, Medizinaltechnik, Rohstoffbereich, Recycling oder Bitcoin.
  • Lassen Sie sich nicht von der Schweizer Valorennummer auf den Wertpapieren blenden: Die Kennnummer sagt nichts über Seriosität und Wertigkeit eines Produkts aus. Sie zeigt nur auf, dass der Titel existiert. Auch ein auf den Cayman Islands domizilierter, in der Schweiz nicht bewilligter, Anlagefonds kann eine Schweizer Valorennummer haben. Die Nummer bietet also keine Garantie dafür, dass die entsprechenden Fondsanteile später wieder verkauft werden können.
  • Vermehrt kommen Kopien von Webseiten bewilligter Unternehmen vor. Es lohnt sich deshalb, zu prüfen, ob es sich um solch einen “Klon” handelt – vor allem bei Auftritten von Unternehmen, die auf eine Bewilligung der Finma verweisen. Prüfen Sie Kontaktangaben und URL-Adresse genau auf Auffälligkeiten.
  • Konsultieren Sie zur Sicherheit die Warnliste der Finma oder schauen Sie im IOSCO Investor Alerts Portal nach, bevor sie einen Kauf tätigen.
  • Überprüfen Sie zudem den Handelsregisterauszug. Finden Sie häufige Mutationen des Firmennamens, der Zeichnungsberechtigten und der Adresse? Dann ist Skepsis angebracht
  • Achtung: Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Ihnen ein “Fachmann” nach dem Betrugsfall helfen möchte. Namenslisten der Opfer werden verkauft, um diese gleich noch einmal über den Tisch zu ziehen.

Quelle: Finma

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