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Umbau Rio Bar

Gelungene Aufwertung: Mit dem Umbau zu einer kleinen Bar ist das Dreieck beim Zusammenfluss von Sihl und Schanzengraben zu neuem Leben erwacht. Das Dienstgebäude aus dem Jahre 1935 hat eine neue architektonische Schicht erhalten, die sich nahtlos in das Bestehende integriert.

Eine dreiseitig umlaufende, raumhohe Verglasung öffnet das zuvor geschlossene Volumen (© Beat Bühler, Zürich)
Eine dreiseitig umlaufende, raumhohe Verglasung öffnet das zuvor geschlossene Volumen (© Beat Bühler, Zürich)

Das 1935 von Stadtbaumeister Hermann Herter erbaute Dienstgebäude markiert den städtebaulich bedeutenden Übergang zwischen City und Aussersihl. Zusammen mit einem fast baugleichen, in Sichtweite etwas flussaufwärts gelegenen Gebäude gehört es zur Gattung der Kleingebäude, denen Herter grosse Aufmerksamkeit schenkte. Die beiden Dienstgebäude an der Sihl platzierte er mit einer Längsseite hart an das Ufer, sie wachsen aus einer Mauer heraus und verschmelzen mit den dazu gehörigen Brücken.

Beim Umbau zu einer Bar und einem Take-Away respektierte das in einem Planerwahlverfahren ermittelte Zürcher Architekturbüro von Sigi Stucky und Bruno Schneebeli die grundlegende Disposition des Hauses, insbesondere des Dachs, öffneten aber im Gegenzug das zuvor geschlossene Volumen mit einer dreiseitig umlaufenden, raumhohen Verglasung zur Brücke, zum Fluss und dem Platz. Das neue Element mit seinen bronzefarbenen Fensterprofilen ist so selbstverständlich in das Gebäude integriert, dass man das Gefühl hat, dieses habe schon immer so ausgesehen.

Die Rio-Bar ist trotz ihrer Lage am Fluss ganz auf die Platzanlage an der Gessnerallee ausgerichtet. Dieser Platz existierte zwar schon zuvor, seine Qualitäten kommen aber erst jetzt so richtig zur Geltung. Der erste Betriebssommer 2009 zeigte denn auch, dass die Anlage unter den zwei mächtigen Platanen bereits sehr beliebt ist.

Architekturportrait

Architekturportrait Rio Bar mit Bruno Schneebeli und Sigi Stucky.

0:40 Müsste ich jetzt das Projekt in einem Wort, einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen:
0:47 Das ist die Entdeckung eines unbekannten Orts mitten in der Stadt.
1:01 Das Haus wurde 1932 von Hermann Herter gebaut.
1:05 Hermann Herter war in der Stadt Zürich eine spannende Figur. Er war Stadtbaumeister.
1:12 Er zeichnete für viele kleine und grosse Infrastrukturbauten.
1:18 Das Haus bildet den Brückenkopf, eine Art Eingangssituation zum Zentrum.
1:24 Typische Elemente des Hauses sind einerseits die gestockte Betonmauer
1:31 und andererseits das auskragende Dach, ein Element, das bei Herter häufig vorkommt.
1:38 An diese zwei Hauptelemente knüpfte unser Entwurf an.
1:50 Die Aufgabe des Planwahlverfahrens verlangte, dass wir an diesem Ort ein Take-away bauen.
1:58 Nachdem wir den Auftrag bekommen hatten,
2:03 sahen wir, dass das Potenzial an diesem Ort riesig ist.
2:08 Hier kommen die beiden Flüsse zusammen,
2:13 der Kanal und der Fluss, die grossen Platanen ...
2:17 So nah am Zentrum,
2:19 30 Sekunden vom Löwenplatz und so weiter.
2:23 Es ist eigentlich ein ganz toller Ort.
2:30 Wir sagten uns: Daraus müssen wir mehr als ein Take-away machen.
2:34 Wir konnten unsere Überzeugung dann mit der Stadt Zürich diskutieren.
2:41 Wir konnten die Stadt als Bauherrin davon überzeugen,
2:46 dass hier mehr möglich ist.
2:50 Dass mehr als ein Take-away möglich ist.
2:52 Es war ein langer Prozess. Wir mussten viele Stellen überzeugen.
2:57 Aber das haben wir geschafft.
3:01 Auf allen Ebenen waren alle überzeugt von dieser Idee.
3:07 Wir stellten uns die Frage,
3:10 wie setzt man die Aufgabe, die Themen um.
3:14 Wie verwandelt man ein solches Haus
3:17 in einen öffentlichen, attraktiven Treffpunkt mitten in der Stadt?
3:22 Wir machten eine dreiseitig durchgehende Glasfront.
3:28 Wir haben das Haus stark geöffnet.
3:31 Das Ziel war, möglichst viel Grosszügigkeit zu schaffen.
3:35 Im Innern und nach aussen.
3:43 Der Platz, den es schon immer gab,
3:46 war eigentlich ein Asphaltplatz.
3:50 Dadurch nahm man ihn auch nicht als Platz wahr.
3:55 Es war eine Asphaltfläche, auf der zwar zwei riesige Platanen standen,
4:01 aber völlig unbedeutend.
4:04 Ungenutzt, ohne Aufenthaltsqualität.
4:09 Wir konnten dem Schanzengraben entlang das Nebengebäude bauen,
4:16 in dem die Container sind.
4:19 So schufen wir die Intimität des Platzes. Es braucht dieses Spiel:
4:23 Aus einem intimen Raum heraus betrachtet man die Stadt.
4:26 Genau gleich, wenn man im Gebäude drin ist.
4:29 Durch die Verglasung sitzt man geschützt im Gebäude,
4:33 aber da läuft sozusagen ein Film.
4:41 Wir haben einen sehr grossen Eingriff gemacht, aber so wie es nun geworden ist,
4:46 wirkt die Lösung sehr einheitlich.
4:50 Es wirkt so, als sei es immer schon so dagewesen.
4:54 Dafür haben wir uns die Referenzen von Hermann Herter genau angesehen.
5:00 Aber auch von anderen zeitgenössischen Bauten und Architekten.
5:06 Das geht bis zur Profilierung der ganzen Fensterfront,
5:09 die als Element ins Gebäude eingeschnitten ist,
5:14 von der Machart her aber eher etwas Traditionelles hat.
5:23 Die Oberfläche des Betons war auch ein Thema.
5:27 Das kam vom bestehenden Haus, das aus gestocktem Beton gebaut war.
5:31 Das ist ein sehr starkes und schönes Element.
5:35 Das haben wir im Innern weitergezogen.
5:39 So dass auch dort eine Art Neuinterpretation des Alten und des Bisherigen stattfindet.
5:46 Daraus entsteht eine neue Qualität, eine neue Einheit von Alt und Neu.
5:53 Durch unseren starken Eingriff, der das Haus sehr geöffnet hat,
5:58 aber gleichzeitig mit der Integration neuer Massnahmen ins Ganze
6:04 entstand ein sehr kräftiges Haus, ein kleines, aber starkes Haus.
6:10 Es markiert diesen schwierigen Ort.
6:15 Selbstbewusst und als wichtiger Punkt in diesem Quartier,
6:20 an diesem Ort. Eine Art Brennpunkt.
6:25 Die Leute kommen gern hierher. Man hält sich gern hier auf.
6:38 Wenn wir ein Take-away gemacht hätten, hätte man diesen Ort nicht entdeckt.
6:43 Das Take-away wäre noch auf der Rückseite der Stadt gewesen,
6:47 ein Ort, der nicht so klar ist.
6:50 Aber wir haben nun mal gesagt: Nein,
6:54 das ist keine Rückseite der Stadt, das ist mitten drin,
6:58 das muss man öffnen zur Stadt.
7:01 Das ist die Quintessenz des Projekts:
7:05 die Entdeckung dieses Orts.

Vor- und Nachher im Vergleich

Aussenansicht Rio Bar

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich
  • Eigentümervertretung: Liegenschaften Stadt Zürich, Immobilien Stadt Zürich
  • Bauherrenvertretung: Amt für Hochbauten
  • Architektur: S2 Stucky Schneebeli Architekten, Zürich
  • Erstellungskosten: 2 Mio. Franken
  • Bauzeit: 2008 – 2009

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Standort

Rio Bar
Gessnerallee 17
8001 Zürich

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