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Neubau Wohnsiedlung Kronenwiese

Eine scheinbar ganz normale Blockrandbebauung entpuppt sich bei näherer Betrachtung als vielgestaltiges Gebäude, das sich passgenau in die Umgebung einfügt. Zugleich erfüllt es die höchsten Energiestandards und nimmt eine Vorreiterrolle auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft ein.

Blick von der Kornhausstrasse auf die Wohnsiedlung Kronenwiese (© Roman Keller, Zürich)
Blick von der Kornhausstrasse auf die Wohnsiedlung Kronenwiese (© Roman Keller, Zürich)

Armon Semadeni Architekten ist es auf der Kronenwiese in Zürich-Unterstrass gelungen, eine Wohnsiedlung zu bauen, die auf den ersten Blick ganz normal wirkt, gleichzeitig aber auf viele verschiedene Situationen, Bedürfnisse und Anforderungen reagiert. Das Zürcher Architekturbüro hat Ruhe und Übersicht bewahrt und im offenen Projektwettbewerb von 2010 /11 einen Vorschlag präsentiert, der souverän alles unter einem Dach vereint: Das Gebäude ist vielgestaltig und eine für diesen Ort massgeschneiderte Blockrandbebauung die sich der Parzellengrenze entlangschlängelt. Das Grundstück ist zentral gelegen, in direkter Nähe zum Schindlergut und öffnet sich südseitig zum Limmatraum.

Das im März 2017 vollständig bezogene Gebäude beherbergt einen vielfältigen Wohnungsmix aus insgesamt 99 Wohnungen, Gewerberäumen, Kindergarten, Kinderhort, Kindertagesstätte und einem Gemeinschaftsraum. Ein terrassiert gestalteter Innenhof lässt private und halböffentliche Aussenräume ineinanderfliessen.

Auf eine Tiefgarage wurde aus ökonomischen und ökologischen Gründen verzichtet. Dies ist ein Bekenntnis zu einer nachhaltigen Mobilität und dieses wiederum reiht sich ein in das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft, zu dem sich die Stimmberechtigten der Stadt Zürich 2008 in einer Volksabstimmung deutlich bekannten und das seither in der Gemeindeordnung verankert ist.

Die Wohnsiedlung Kronenwiese ist ganz nach den Grundsätzen eines schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen erbaut worden und entspricht dem strengen Energiestandard Minergie-A-ECO. So dürfen nur Baumaterialien verwendet werden, deren Herstellung und Entsorgung in der Lebenszyklusbetrachtung wenig Schadstoffe freisetzen und wenig Energie verbrauchen. Mittels Photovoltaikanlage wird Sonnenenergie genutzt, die in der Jahresbilanz betrachtet, den allgemeinen Strombedarf der Wohnüberbauung deckt. Zusätzlich wird damit auch eine Erdsonden-Wärmepumpenanlage betrieben, die Wärme für Heizung und Warmwasser bereitstellt. Die im Winter dem Erdreich entzogene Energie wird im Sommer wieder zurückgespiesen: Nur dies gewährleistet einen langfristig nachhaltigen Betrieb an dieser innerstädtischen Lage. Das Gebäude ist ökologisch vorbildlich – gleichzeitig ist es als städtebauliche Figur und Architektur ein selbstverständlicher Teil des Stadtgewebes.

Architekturportrait

Architekturportrait Wohnsiedlung Kronenwiese mit Armon Semadeni.

0:05 Für eine starke Baukultur
0:08 ist der gesamte gesellschaftliche Prozess notwendig:
0:12 die ökonomische Seite, die ökologische Seite,
0:16 dann natürlich die soziologischen Aspekte, die gesellschaftlichen Aspekte.
0:20 Die politische Auseinandersetzung ist auch Teil davon:
0:23 Wie geht man mit den letzten Grünflächen um?
0:26 Man kann dafür oder dagegen sein. Baukultur ist aber auch Diskussionskultur.
0:33 Ich denke, das ist sehr wichtig.
0:47 Das Besondere an der Aufgabe war sicher der Ort.
0:50 Eine spezieller Ort, mitten in der Stadt Zürich.
0:54 Mit vielen Qualitäten,
0:57 mit der Südlage, dem Park nebenan, der Nähe zur Limmat
1:01 und zum öffentlichen Verkehr.
1:03 Aber auch ein Ort, der ein paar Schwierigkeiten mit sich brachte.
1:08 Ein sehr stark abfallendes Terrain.
1:11 Nebenan ist eine sehr stark befahrene Strasse, eine Kantonsstrasse.
1:16 All diese Wohnungen - am Ende haben wir 99 Wohnungen gebaut -
1:21 alle Wohnungen sollten einen Teil dieser Qualitäten abholen können,
1:26 an der Südlage, am Park, am Aussenraum teilhaben können.
1:32 Andererseits mussten wir auch die Herausforderungen mit dem Lärm
1:36 und mit der hohen Dichte, die gefordert war, umsetzen können.
1:43 Eine grosse Frage war sicher,
1:45 wie die halbprivate Wohnsiedlung mit dem öffentlichen Park umgeht.
1:51 Der Schindlerpark, wie er historisch gewachsen ist und in der Stadt steht,
1:56 findet seinen Abschluss mit der Kronenstrasse.
2:00 Dort endet er. Die Wohnsiedlung ist ein privates Bauwerk,
2:05 das mehrheitlich privat genutzt wird, natürlich mit öffentlichen Einflüssen.
2:09 Wir versuchten, durch die halb-offene Gebäudefigur
2:13 eine städtebauliche Typologie zu finden, die diese Qualitäten vereinen kann,
2:17 einerseits einen Abschluss schafft zum Park, andererseits aber einen offenen Raum hat,
2:21 zum Park und zu dieser Orientierung hin.
2:34 Was die Lärmtypologie angeht: Wir haben an den Grundrissen gearbeitet.
2:39 Entlang der Strasse entwickelten wir eine Lärmtypologie, die es hoffentlich schafft,
2:45 dass die Strasse nicht primär als störendes Element wahrgenommen wird,
2:52 sondern dieser Wohnsiedlung auch eine zusätzliche Qualität verleiht.
2:57 Die Wohnungen haben doppelgeschossige Wohnküchen,
3:01 gegen Westen orientiert.
3:03 Unsere Hoffnung ist, dass dies die Akzeptanz dieser beiden Aspekte stärkt.
3:09 Dass beide gleichzeitig Einfluss nehmen können auf die Qualität der Wohnungen.
3:38 Es ist kein luxuriöser Wohnungsbau, sondern ein städtischer Wohnungsbau
3:42 mit relativ knappen Wohnflächen.
3:45 Alle haben aber einen grosszügigen Aussenraum.
3:51 Sie sind zu 90 Prozent nach Süden orientiert oder nach Westen.
3:56 Ein paar Wohnungen sind mit ihrem Aussenraum nur gegen die Nordstrasse orientiert.
4:00 Die haben dafür im Sommer eine attraktive Morgensonnenseite.
4:05 Sie tragen natürlich dazu bei,
4:07 dass das Gebäude gegenüber der Stadt offen ist und kommunizieren kann.
4:13 Sodass nicht alles auf einen Punkt fokussiert,
4:15 sondern das Gebäude allseitig orientiert ist.
4:20 Neben den ganz öffentlichen und den privaten Räumen
4:23 gibt es die wichtigen halbprivaten Erschliessungsräume.
4:28 In der Wohnsiedlung Kronenwiese sind das neun Treppenhäuser.
4:34 In einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren für Kunst am Bau
4:39 wurde der Beitrag von Christian Kathriner ausgewählt.
4:44 Der setzt sich sehr stark mit den Räumen auseinander.
4:48 Dadurch gab es eine selbstverständliche Verflechtung
4:52 mit dem künstlerischen Element,
4:55 das den Umgang mit dem Material sehr stark thematisiert.
4:59 Hoffentlich ermöglicht das auch eine Akzeptanz und eine Annäherung auf verschiedenen Ebenen.
5:20 Durch das stark abfallende Gelände entstehen viele Terrassensituationen.
5:24 Es gibt eine für die Kinderkrippe oder den Kindergarten.
5:28 Da zwingt einen das Programm, ebene Flächen zu schaffen,
5:32 mit den heutigen Ansprüchen an die Aussenräume.
5:35 Durch diese Abtreppung ergab sich der Umgang
5:40 mit der gestalteten Umgebung. Die ist ja nicht natürlich gewachsen.
5:45 Die Kronenwiese, die vorher hier war, hatte nicht schon immer so ausgesehen.
5:51 Das war eher eine künstliche Natur.
5:55 In dieser Logik haben wir die Implementierung der Wohnsiedlung
6:00 und der öffentlichen Nutzung im Erdgeschoss weiterentwickelt.
6:04 Sodass jeder Teile des Erdgeschosses nutzen und für sich in Anspruch nehmen kann.
6:09 Der Innenhof ist primär für die Bewohner da.
6:12 Er steht aber der Öffentlichkeit offen.
6:15 Es gibt ans Gebäude angelagerte Nutzungen wie den Kindergarten und die Kinderkrippe.
6:21 Oder auf der Strassenseite eine gewerbliche Nutzung.
6:24 In dem Aussenraum können sich kleine Gewerbebetriebe präsentieren.
6:35 Dadurch, dass sie so zentral gesetzt ist
6:38 und in ein bestehendes Quartier implementiert wird,
6:41 gab es für uns immer zwei Seiten:
6:44 Es gab einerseits die primäre Nutzung für die zukünftigen Bewohner.
6:48 Die Wohnnutzung und die Wohnqualität stehen sicher an erster Stelle.
6:52 Andererseits gab es auch die halböffentlichen und öffentlichen Nutzungen.
6:57 Im Erdgeschoss waren die sehr wichtig.
7:00 Das war ein politischer Auftrag.
7:03 Das war die löbliche Vorarbeit derer, die den Wettbewerb ausgeschrieben haben.
7:07 Unsere Aufgabe war, die Nutzungen möglichst präzise im städtischen Kontext zu setzen.
7:12 Sie so logisch zu setzen, dass Verbindungen zum Quartier entstehen.
7:17 Dass sich das Gebäude möglichst schnell mit dem Quartier verbindet
7:21 und Akzeptanz findet innerhalb der gebauten Strukturen.
7:29 Der baukünstlerische Ansatz in diesem breiten baukulturellen Blickpunkt
7:35 war unser Bemühen,
7:38 einerseits alle Ansprüche der Gesellschaft an ein gebautes Umfeld
7:42 zu vereinen und abzubilden.
7:44 Die Ansprüche sind sehr unterschiedlich.
7:48 Andererseits hatten wir den Anspruch als Architekten und "Baukünstler",
7:55 diese in einem Gesamtkonzept zu vereinen,
7:59 damit sich ein gesamtheitliches Bild ergibt.
8:02 Dieses weist auch Brüche und Unwägbarkeiten auf.
8:05 Das gehört auch zu der Gesellschaft, in der wir uns befinden.
8:16 Es ist nicht mehr das harmonisch geschlossene Stadtbild des 19. Jh.,
8:20 sondern ein diverses und diversifiziertes Bild
8:23 der Gesellschaft und der Bauten, die wir erstellen.

  • Bauherrschaft: Stadt Zürich, Liegenschaftenverwaltung
  • Vertreten durch: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten
  • Architekten: Armon Semadeni Architekten GmbH, Zürich
  • Kunst und Bau: Christian Kathriner
  • Erstellungskosten: 46.9 Millionen Franken
  • Bauzeit: 2014 – 2017

Standort

Wohnsiedlung Kronenwiese
Nordstrasse 70
8006 Zürich

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