Global Navigation

Automatische Zählungen des Veloverkehrs

Autoren
Robert Dorbritz
Pascal Wirz

Letzte Aktualisierung
11. Juni 2020

Symbolbild Automatische Velozählungen

Ausgangslage
Das Tiefbauamt erhebt seit 2009 die Velofrequenzen in der Stadt Zürich mit Hilfe automatischer Zählgeräte. Das Zählstellennetz wurde schrittweise gemäss einem definierten Standortkonzept ausgebaut und umfasst derzeit 24 Zählgeräte, die sich an 21 Querschnitten im gesamten Stadtgebiet verteilen (Abbildung 1). Die damit erhobenen Daten bilden eine wichtige quantitative Grundlage zur Beurteilung der Veloförderung im Sinne von «Stadtverkehr 2025» und dem Masterplan Velo. Die Daten der Zählgeräte werden via OpenData-Portal im Internet frei zugänglich gemacht.

Abbildung 1: Lage der automatischen Velozählstellen und wichtige Kennwerte

Technologie
Im Boden eingelassene Induktionsschlaufen detektieren die von Velofahrten ausgelösten charakteristischen Veränderungen des Stromfeldes zuverlässig als Velofahrten. Die Schlaufen sind mit einem im Boden versenkten Zählgerät verbunden, das die Zählungen speichert und täglich per Funkverbindung an einen Server schickt (Abbildung 2). An jedem Tag speichert und sendet eine Zählstelle richtungsgetrennte, auf Viertelstunden aggregierte Frequenzen. Es liegen also stets tagesaktuelle Angaben zu den Velofrequenzen am detektierten Querschnitt vor. Ausfälle oder Auffälligkeiten infolge von Störungen werden rasch erkannt und Ausfallzeiten damit minimiert. Fahrten werden nur im Bereich der Schlaufen detektiert, Velos mit Karbonfelgen sowie geschobene Velos werden nicht gezählt, aber auch keine Mofas oder Motorräder. Regelmässige manuelle Kontrollzählungen zeigen, dass die Zählgeräte insgesamt sehr genau arbeiten. Die Geräte sind vor dem Hintergrund des Datenschutzes unbedenklich, da lediglich Velofahrten gezählt und keine Daten über Nutzer oder Velos detektiert werden können.

Abbildung 2:
Zählgerät an der Sihlpromenade: Induktionsschlaufen (rechts) und das im Boden versenkte Zählgerät (linker Rand)

Zählstellen
Die automatischen Zählstellen wurden in verschiedenen Etappen in Betrieb genommen und bilden ein fertiges Zählstellennetz. Ein Ausbau ist derzeit nicht vorgesehen. Bei konkreten Fragestellungen, die umfangreiche Zähldaten über lange Zeiträume benötigen, können jedoch auch weiterhin punktuell Zählgeräte installiert werden. Im bestehenden Zählstellennetz wurden die Standorte so gewählt, dass die Geräte sowohl an Querschnitten mit hohen als auch mit tiefen Aufkommen zählen. Sie wurden sowohl in der Innenstadt, wie auch in den übrigen Stadtquartieren installiert und decken auch Entwicklungsgebiete und Querschnitte mit hohem Pendler- und Freizeitaufkommen ab (siehe Abbildung 1).

Daten und deren Qualität
Die automatischen Velozählgeräte aggregieren die Frequenzen zu Viertelstundenwerten je Fahrtrichtung. Sie detektieren während 24 Stunden täglich, an jedem Tag des Jahres. Bis Ende 2018 wurden über 50 000 gültige Messtage erfasst. Die Ausfälle betragen insgesamt weniger als 1 Prozent. Regelmässige manuelle Kontrollzählungen belegen die hohe Zählgenauigkeit von durchschnittlich über 95 Prozent. Sie erlauben auch Faktoren zu bestimmen, mit deren Hilfe die Werte der Zählgeräte in effektive Velofrequenzen am Gesamtquerschnitt umgerechnet werden können (siehe Abbildung 1). Dabei werden sowohl technische Zählungenauigkeit, wie auch Fahrten abseits der von den Schlaufen abgedeckten Bereiche berücksichtigt.

Aufkommen und Entwicklung
Das mittlere Aufkommen an den von den Zählgeräten abgedeckten Querschnitten schwankt, wie Abbildung 3 zeigt.

Abbildung 3: Aufkommen an den Velozählstellen (Gerätewerte)

Neben den absoluten Aufkommen interessiert auch die Entwicklung der Velofrequenzen an jeder einzelnen Zählstelle (siehe Tabelle 1). Bei der Interpretation dieser Entwicklungen müssen vor allem zwei wichtige Einflussgrössen beachtet werden: Die Anzahl Velofahrten pro Jahr hängt entscheidend von der Witterung und - vor allem über längere Zeiträume - von der Bevölkerungsentwicklung ab. Daher werden die gemessenen Entwicklungen jeweils vor dem Hintergrund der Entwicklung dieser Bezugsgrössen interpretiert.

Indexierte Entwicklung von Velofrequenzen

Zählstelle20122013201420152016201720182019
Andreasstrasse100103136207212233282294*
Bertastrasse100100117130125127148145
Binzmühlestrasse10099108121120127140146*
Bucheggplatz100*101*115*129*128140159166*
Fischerweg (und Kloster-Fahr-Weg)100*101*115*129*105119
143133
Hardbrücke100*101*115*129*127*136172182
Hofwiesenstrasse100101121132130141161168*
Langstrasse (Nord)
100*101*115*119119122127132*
Langstrasse (Süd)100*101*115*129*127*136141135
Limmatquai100*101*115*129*124136151157*
Lux-Guyer-Weg10092102114114128146150
Militärbrücke
100*101*115*129*122128137130
Mühlebachstrasse1009189142140150151144
Mythenquai10094111123117126127124
Saumackerstrasse100*101*115*129*136165162169*
Scheuchzerstrasse100100110118119127139145*
Schulstrasse1001001067272130170190
Sihlpromenade100117140153151170196208
Talstrasse100*101*
115*129*128139153159*
Tödistrasse100*101*
115*
129*127*147138143
Zollstrasse100*101*115*129*125126137143*
TOTAL100101115129127136150157
Witterung10010111712298115
119109
Bevölkerung100101103104105107
109110

Tabelle 1: Indexierte Entwicklung der Frequenzen je Zählstelle, Anzahl Tage mit schöner Witterung und Bevölkerungszahl mit Basisjahr 2012 = 100 Indexpunkte (2012 ist das Referenzjahr für «Stadtverkehr 2025»)
* Werte anhand Gesamtentwicklung berechnet.

Zeitliche Verteilung der Frequenzen
Automatische Velozählungen erlauben u.a. detaillierte Aussagen darüber, wie sich die Frequenzen im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf verteilen. Generell werden in den Sommermonaten bei guter Witterung die meisten Velofahrten gezählt, aber auch im Winter ist noch jedes dritte Velo unterwegs (Abbildung 4). Am Fischerweg steigen die Velofahrerinnen und Velofahrer vor allem im Frühling und während des Sommers in den Sattel. Auf der Hardbrücke werden hingegen auch im Winter viele Velofahrten gezählt.

Abbildung 4: Mittlere Verteilung der gezählten Velofahrten im Jahresverlauf

Auch im Wochenverlauf unterscheiden sich die pro Tag gemessene Anzahl Velofahrten: Auf Pendlerrouten werden die höchsten Frequenzen an Werktagen gezählt, während an Wochenenden weniger Velos unterwegs sind (z.B. auf der Hardbrücke). Entlang Freizeitrouten wie dem Fischerweg sind die Aufkommen auch an Wochenenden hoch; teilweise sogar höher als unter der Woche (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mittlere Verteilung der gezählten Velofahrten im Wochenverlauf

Velos sind nicht nur tagsüber, sondern auch nachts unterwegs (Abbildung 6). Vor allem in der Langstrasse, aber auch auf der Hardbrücke, werden in den Nächten des Wochenendes hohe Aufkommen gemessen, während sich an Werktagen morgendlich und abendlich Nachfragespitzen abzeichnen.

Allgemein gilt jedoch, dass jede Zählstelle ein ganz eigenes Muster hat, wie sich die Frequenzen im Jahres-, Wochen- und Tagesverlauf verteilen.

Abbildung 6: Mittlere Verteilung der gezählten Velofahrten im Tagesverlauf

Mobile Velozählstelle
Neben den fix installierten Induktionsschlaufen verfügt das Tiefbauamt seit 2015 zudem über eine mobile Velozählstelle. Auch diese erfasst die Velofahrten im abgedeckten Querschnitt permanent, also 24 Stunden täglich. Hierbei kommen jedoch Luftschläuche zum Einsatz, die über den Boden gespannt werden und durch charakteristische Druckveränderungen eine Velofahrt detektieren. Die mobile Zählstelle kam bereits beim Bahnhof Altstetten, auf der Hardbrücke sowie beim Urban Bike Festival 2016 zum Einsatz (Abbildung 7).

Abbildung 7:
Mobile Velozählstelle im Einsatz am Bahnhof Altstetten im Juni 2015, Druckluftschläuche in Gelb

Weitere Informationen

Kontakt