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Kunstnewsletter zurich-transit-maritim

Der den Hafenkran liefert: Günter Fett

Ein Kran wird kommen

Damit der Hafenkran nach Zürich kommen kann, mussten nicht nur die Zürcher Politiker, sondern auch ein Lieferant grünes Licht geben: Günter Fett, der Geschäftsführer von Euroports Germany. Als einfacher Arbeiter fing er vor knapp 50 Jahren, zu Zeiten der DDR, am Rostocker Überseehafen an. Heute leitet er ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitenden, das weltweit 24 eigene Häfen betreibt.

Günter Fett: einer seiner 24 Häfen liefert den Kran.
Günter Fett: einer seiner 24 Häfen liefert den Kran.

Es ist Mittagszeit in einem der besseren Restaurants am Hafen von Warnemünde. Günter Fett sitzt im leeren Teil des Raumes alleine an einem gedeckten Tisch. Der Geschäftsführer der Firmengruppe Euroports trägt ein schwarzes Hemd, eine Krawatte und darüber ein passendes Jackett. Das graue Haar ist gut frisiert und umrahmt seine fein geschnittenen Gesichtszüge.

Günter Fetts Erscheinung passt wunderbar in ein solches Restaurant. Aber auch zum rauen Ton, der in einem Überseehafen herrscht? Nein. Dennoch, der Überseehafen an der Ostsee ist seit 48 Jahren sein Arbeitsplatz. Wie es dazu kam, erzählt der mittlerweile 61-Jährige, nachdem er einen Blick auf die Menü-Tafel geworfen und sich für ein Steinbeisser-Filet, Kartoffelstock und Gemüse entschieden hat.

Fischer und Seefahrer

Hafenkräne: Scharniere zwischen Meer und Land.
Hafenkräne: Scharniere zwischen Meer und Land.

Günter Fett stammt aus einer Fischer- und Seefahrerfamilie in Warnemünde. Wie alle Warnemünder ist auch er stolz auf seine Herkunft. Die Kindheit verbrachte er am Strand. «Das ist der beste Spielplatz für jedes Kind.» Noch heute gehört der sonntägliche Strandspaziergang für ihn und seine Frau zu einem gelungenen Wochenende.


Nach der achten Klasse wollte der junge Günter Fett lieber «was mit den Händen tun», als weiter die Schulbank zu drücken. Sehr zum Leidwesen seiner Mutter trat er eine Ausbildung als Hafenfacharbeiter im Überseehafen an. «Damals habe ich 50- und sogar 100-Kilo-Säcke auf dem Rücken geschleppt, ich bin Bagger und Gabelstapler gefahren. Das ist harte körperliche Arbeit.» Auch wenn sich seither vieles im Hafen verändert hat, hilft es Günter Fett bei seiner Arbeit als Geschäftsführer, sich immer mal wieder an diese Zeit zu erinnern, um für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das nötige Verständnis aufzubringen. Einige machen den Job schon seit über 40 Jahren. Sie haben mit Günter Fett gemeinsam ihre Ausbildung begonnen. Doch Günter Fett, der Fischerjunge, hat sich «auf den Hosenboden gesetzt», wie er sagt. Nach der in der DDR obligatorischen Armeezeit merkte er schnell, dass er weiter nach oben wollte. Auf die Abendschule folgten das Abendstudium und der Abschluss als Wirtschaftsingenieur. Ganz nebenbei heiratete er als knapp 20-Jähriger. Bald darauf kamen seine beiden Kinder zur Welt. So war die Familie bereits vierköpfig, als 1983 das Angebot kam, für mehrere Jahre nach Angola zu ziehen, um dort den Hafen der Hauptstadt Luanda aufzubauen und sein Know-how einzubringen. Dort lernte Günter Fett auch Portugiesisch, die Amtssprache der ehemaligen Kolonie. «Wir waren völlig integriert. Ich war sogar der Taufpate eines angolanischen Mädchens.» Trotzdem ist er seither nie wieder nach Angola zurückgekehrt.


Kaum war die Familie nämlich zurück an der Ostsee, kam 1989 die Wende. Mittlerweile war Günter Fett zum Geschäftsführer des Rostocker Öl-Hafens aufgestiegen. Auch schwierige Entscheide waren zu fällen, so musste Günter Fett um die tausend Kündigungen aussprechen. Heute führt er 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Industriedenkmal weckt Neugier

Die Weite des Meers, ein grosser Hafen: Heimat der Kräne.
Die Weite des Meers, ein grosser Hafen: Heimat der Kräne.

Nun also kommt ein Kran von einem seiner Häfen – von wo genau, wird nicht verraten – nach Zürich. Anfangs schien es dem Geschäftsführer skurril, dass ein Kran, der eigentlich zu verschrotten war, den Weg in die Schweiz antreten sollte. Mit der Zeit fand Günter Fett immer mehr Gefallen an dem Kunstprojekt der Gruppe «zürich transit maritim». Dass der ausgemusterte Kran der Euroports nun mitten in der Altstadt von Zürich stehen wird, freut ihn ungemein.


Inzwischen ist Günter Fett beim Espresso angekommen. Viel Zeit hat er nicht mehr. Gleich beginnt die nächste Sitzung. Ziele, Wünsche? Mehr Zeit für Reisen mit seiner Frau. Zur  Einweihung seines Hafenkrans kommt das Ehepaar bestimmt nach Zürich. So viel Zeit muss sein.


Text: Nathalie Nad-Abonji

Logbuch

Aufbau des Hafenkrans ab 7. April 2014.
Am Sechseläuten vom 28. April steht der Kran.
Festakt am 10. Mai.
Hafenfest: 4.-6. Juli.

Informationen: www.zurich-maritim.ch





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