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ART AND THE CITY AWARD

Denkmäler von elementarer Klarheit

Schlicht und einprägsam, monumental und prägnant sind die Kunstwerke, die den Zürcherinnen und Zürchern nach dem Festival ART AND THE CITY erhalten bleiben. Darunter wird auch eine Variante der Skulptur sein, die zum eigentlichen Wahrzeichen der Veranstaltung geworden ist: die fünf Meter hohe Skulptur der jugendlichen Vanessa von Alex Hanimann.

Während mehr als dreier Monate bevölkerten die 43 Kunstprojekte von ART AND THE CITY die Stadt. Dank dem von der Hardturm AG gesponserten ART AND THE CITY AWARD und dem Engagement einer privaten Stiftung werden nach Beendigung der erfolgreichen Grossausstellung hochkarätige Kunstwerke in Zürich-West installiert bleiben. «Die drei Werke sind sehr unterschiedlich und zeugen von der Vielfalt von ART AND THE CITY», sagte Stadträtin Ruth Genner, die Schirmherrin des Festivals. Vincent Albers, VR-Präsident der Hardturm AG, nannte ART AND THE CITY «einen Höhepunkt für Zürich-West». Und Christoph Doswald, Kurator von Ausstellung und Festival, stellte befriedigt fest: «Durch den Ankauf der Kunstwerke bleibt ART AND THE CITY in Zürich präsent.»

Der Look der Jugend

Die fast sechs Meter hohe Chromstahl-Skulptur des St. Galler Künstlers Alex Hanimann (*1955) war eines der Wahrzeichen von ART AND THE CITY. Offensichtlich vermochte «Vanessa» jedoch nicht nur beim breiten Publikum zu punkten, sondern überzeugte auch die Fachjury, die den ART AND THE CITY AWARD bestimmte. Bice Curiger (Kunsthaus Zürich), Massimiliano Gioni (Biennale Venedig 2013), Anne Keller (Swiss Re), Dorothea Strauss (Museum Haus Konstruktiv, Zürich) und Rein Wolfs (Kunsthalle Fridericianum, Kassel) notierten in ihrem Bericht: «Als eine heutige Art von Denkmal steht 'Vanessa' den Skulpturen der Kunstgeschichte nicht nach, die den Sockel verlassen haben, um wie wir auf demselben Boden zu stehen. Vanessas Look ist wichtig. Er fasst zusammen, was im Stadtbild omnipräsent ist und Jugendlichkeit signalisiert: [...] Es ist der Prototyp eines heutigen Teenagers, der sich hier in erschreckender Unerbittlichkeit als herausfordernder Über-Look präsentiert – in Abgrenzung zur humanistischen Idealisierung und zum konsumistischen Superwoman-Dasein.»

Alex Hanimanns «Vanessa»: Eine Frau von heute als Denkmal. Foto Künstler: Daniel Ammann
Alex Hanimanns «Vanessa»: Eine Frau von heute als Denkmal. Foto Künstler: Daniel Ammann

Weil «Vanessa» speziell für die Kantonsschule Heerbrugg entwickelt worden war – wo sie ab 2013 auch permanent installiert sein wird –, muss nun ein komplett neues Werk geschaffen werden. Ausgangslage für diese Figur wird wiederum eine prototypische Person sein, die Alex Hanimann mittels eines Castings unter den Studentinnen der ZHdK eruiert. Voraussichtlich im Herbst 2013 wird die neue Skulptur dann an der Pfingstweidstrasse, in unmittelbarer Nähe der Toni-Molkerei, ihren Platz finden.

Das Individuum auf dem Podest

Die Jury zu überzeugen vermochte auch der französische Künstler Saâdane Afif (*1970) mit seinem Werk «The Soapbox of Schiffbauplatz». Die in Bronze gegossene Seifenkiste diente einer jungen Schauspielerin während der Ausstellung als Mini-Bühne auf dem Trottoir an der Kreuzung von Hard- und Schiffbaustrasse. Dort rezitierte sie Texte, die Freunde des Künstlers über sein Werk geschrieben hatten. Dazu die Jury: «Saâdane Afifs Arbeit unterbricht in besonderer Weise den geschäftigen, urbanen Alltag, indem er die Neugier der Menschen weckt. Wenn sie nämlich stehen bleiben und sich fragen, was denn so wichtig ist, dass es ein einzelner Mensch mit Enthusiasmus vermittelt. Mit dieser Strategie zieht Afif das Publikum ins Vertrauen seines eigenen künstlerischen Prozesses: Die Bürgerinnen und Bürger werden nicht mit politischen oder werbewirksamen Slogans zugetextet, sondern vielmehr sanft darauf aufmerksam gemacht, dass das einzelne Individuum aus der Masse heraustreten kann und dass der Grund dafür ein persönlicher sein darf.»

«The Soapbox of Schiffbauplatz» von Saâdane Afif: Ein Podest für eine einzelne Person. Courtesy RaebervonStenglin, Zürich
«The Soapbox of Schiffbauplatz» von Saâdane Afif: Ein Podest für eine einzelne Person. Courtesy RaebervonStenglin, Zürich

Elementare Schlichtheit

Als dritte Position wurde diejenige des jungen Walliser Künstlers Valentin Carron (*1977) mit dem ART AND THE CITY AWARD ausgezeichnet. Sein Werk «Ca-tarac-ta» ist ein «grosszügiger Wasserspender, der als neuzeitliches Denkmal in seiner äusseren Schlichtheit und klaren Funktionalität bestechend unmonumental daherkommt», wie die Jury schreibt. «Ein komplett gebrauchsfähiger bronzener Pumpbrunnen, der in einem brandneuen Stadtteil auf höchst symbolische und universelle Art ein Zentrum markiert und dem Grundbedürfnis nach Wasser dauerhaft, simpel, mechanisch und transparent nachkommt, durch die altbewährte Technik mit rein menschlicher Kraft.» Carrons Brunnen wird voraussichtlich im künftigen Hardturmpark zwischen Pfingstweid- und Förrlibuckstrasse installiert.

«Ca-tarac-ta» von Valentin Carron: schlicht schön.
«Ca-tarac-ta» von Valentin Carron: schlicht schön.

Ein Denkmal für die Industrie

Bereits zu einem früheren Zeitpunkt trat eine Stiftung an die Organisatorinnen und Organisatoren von ART AND THE CITY mit der Idee heran, die monumentalen Backsteinskulpturen der kubanischen Künstlergruppe Los Carpinteros zu erwerben, um sie am Escher-Wyss-Platz über die Dauer der Ausstellung hinaus der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. «Catedrales», wie die Skulpturen betitelt sind, verkörpern monumentale Vergrösserungen von Akkubohrer-Aufsätzen, sogenannte Bits. «Ein Denkmal für die Industrie» hat die Fachzeitschrift «Kunstbulletin» die eindrücklichen Skulpturen genannt, die voraussichtlich als Dauerleihgabe für zehn Jahre am Escher-Wyss-Platz stehen bleiben werden.

«Catedrales von Los Carpinteros»: Denkmal für das, was am Escher-Wyss-Platz einmal zu finden war – Industrie.
«Catedrales von Los Carpinteros»: Denkmal für das, was am Escher-Wyss-Platz einmal zu finden war – Industrie.

Text: Christoph Doswald
Fotos Kunstwerke: © artandthecity.ch (Peter Neusser)

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