Global Navigation

AAA: ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN

Triple A für Kunst-Dialoge

Seit 2010 wird der Zürcher Stadtraum zwischen Juni und September zur Bühne für die Kunst. Diesen Sommer liegt der geografische Schwerpunkt des KiöR-Projekts in Altstetten und Albisrieden, wo rund 30 Künstlerinnen und Künstler in und mit den Quartieren arbeiten. Darum nennt sich die Ausstellung 2015 auch AAA: ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN. Wie schon vor drei Jahren bei ART AND THE CITY liegt der künstlerische Fokus auf der Auseinandersetzung mit allen Facetten des urbanen Lebensraums.

Im Ortsmuseum von Albisrieden wird mit Verve die Geschichte des ehemaligen Bauerndorfs gepflegt. Werkzeuge aus dem bäuerlichen Alltag, Fotos des dörflichen Lebens, Ahnengalerien von Handwerks-, Musik- und Schützenvereinen und Re-Enactments von Wohnräumen und Arbeitsplätzen bilden ein vitales Ensemble, das in einem verschachtelten Riegelhaus und einer grosszügigen Scheune untergebracht ist. Einmal jährlich aktiviert die ehrenamtliche Gruppe um Museumsleiter Hans Amstad sogar eine alte Mostpresse und stellt als Reverenz an den Albisrieden lange prägenden Obstbau einen eigenen Most her.

Skulptur beim Prime Tower: Entwurf des österreichischen Bildhauers und Fotografen Werner Feiersinger.
Skulptur beim Prime Tower: Entwurf des österreichischen Bildhauers und Fotografen Werner Feiersinger.

Die Anfänge von David Weiss

Ab Juni erhält das Ortsmuseum überraschenden Zuwachs. Die Ahnengalerie wird nämlich durch einen prominenten Albisrieder ergänzt: David Weiss, der vor drei Jahren allzufrüh verstorbene kongeniale Partner von Peter Fischli, hat seine frühe Jugend im Quartier verbracht, weil sein Vater dort als Pfarrer amtete. «Pfarrer Weiss hat mich getauft», erinnert sich Museumleiter Amstad an diese Zeit in den 1950er Jahren. Viel später, in den 1980er Jahren, ist David Weiss mit Peter Fischli nochmals ins Quartier zurückgekommen, um am Anemonenweg ein wichtiges Kapitel Schweizer Kunstgeschichte zu schreiben: In den Räumen der ehemaligen Luwa-Fabrik drehten Fischli/Weiss 1987 den legendären Film «Der Lauf der Dinge», ihren Beitrag zur Documenta 8 in Kassel, der sie weltbekannt machte. Sozusagen als Reverenz an diese Albisrieder Lebens- und Schaffenszeit integriert nun Oskar Weiss, der Sohn von David Weiss, eine Reihe von frühen Zeichnungen seines Vaters ins Ensemble des Ortsmuseums.

Olaf Nicolai, Berlin: «Baraque de Chantier», 2003 / 2015. Bild: Pro Litteris
Olaf Nicolai, Berlin: «Baraque de Chantier», 2003 / 2015. Bild: Pro Litteris

Die Menschen von Beat Streuli

Die David-Weiss-Intervention im Ortsmuseum ist Teil von AAA: ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN, dem KiöR-Projekt im Sommer 2015. Rund 30 Künstlerinnen und Künstler werden sich mit Fragen der Stadtentwicklung, der Quartiergeschichte, der Ästhetik des öffentlichen Raums und mit anderen Themen aus dem urbanen Kontext beschäftigen. In geografische Cluster gegliedert – Vulkanplatz/Lindenlatz, Flurstrasse/Zollfreilager, Dorfkern Albisrieden, Friedhof Eichbühl – und mit einigen Satelliten in Zürich-West bestückt, befassen sich die Künstlerinnen und Künstler mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Quartiers. Beat Streuli zählt zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen Fotografie. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Mensch im öffentlichen Raum bewegt, präsentiert und verhält. Für AAA hat der in Brüssel lebende Streuli seine Recherche kurzzeitig nach Altstetten und Albisrieden verlegt und die Strassenszenen aus seiner künstlerischen Optik dokumentiert.

Kiluanji Kia Henda aus Angola: «The Palace of Abstract Power», 2014.
Kiluanji Kia Henda aus Angola: «The Palace of Abstract Power», 2014.

Die architektonischen Utopien

Dass AAA in Albisrieden und Altstetten stattfindet, hat gute Gründe. Die beiden Quartiere sind nämlich wichtige Standorte für die Kunst: Hier befindet sich der Campus der F+F-Schule, hier arbeiten Hunderte von Künstlerinnen und Künstlern in ehemaligen Fabrikräumen und hier gibt es bereits eine Reihe von Off-Spaces, die mit eigenwilligen Programmen aufwarten. Aber die Quartiere weisen auch eine grossartige Substanz an architektonischen Zeugnissen auf – etwa die zwischen 1936 und 1942 von Werner Max Moser erbaute Altstetter Kirche oder der in brutalistischer Tradition entworfene, 1968 eingeweihte Friedhof Eichbühl, der sich ganz im Westen von Zürich an die Hänge des Uetlibergs schmiegt. Auf dem weitläufigen Gelände des Friedhofs wird eine kleine Gruppe von Werken gezeigt, die sich mit architektonischen Utopien befassen: Wolfgang Laib, Olaf Nicolai und Kiluanji Kia Henda stellen dem historischen Ensemble ihre eigenen Entwürfe zur Seite und schaffen damit einen inspirierenden Dialog mit einem eigenwilligen Ort.



Text: Christoph Doswald

AAA: ART ALTSTETTEN ALIBISRIEDEN

13. Juni – 13. September 2015

Vernissage: Fr 12. Juni 2015, 17 bis 21 Uhr

F+F-Schule
Flurstrasse 89
8048 Zürich




 

Weitere Informationen