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Gesamtkunstwerk auf dem Münsterhof

Seit der Neugestaltung des Münsterhofs findet eine intensiv geführte Diskussion über die Funktion und die Rolle dieses zentralen, öffentlichen Platzes statt. Ein stadträtliches Nutzungskonzept positioniert den Münsterhof als Kulturplatz und regelt dessen Bespielung. Im Auftrag der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR) hat die junge Schweizer Künstlerin Claudia Comte nun erstmals eine massgeschneiderte Intervention für den Münsterhof entwickelt – die auch als Pilot für zukünftige Projekte gilt.

Wer Anfang Juni nach Basel zur Art reiste, wurde dort bereits auf dem grossen Platz vor der Kunstmesse von einer monumentalen Skulptur empfangen. «NOW I WON» lautete die aus rohen Baumstämmen angefertigte Botschaft, die auf einem 5 Meter hohen und 50 Meter breiten, mit grünem Kunstrasen bedeckten Bauwerk prangte. Darin untergebracht waren eine Kegelbahn, eine Diskothek, eine Minigolf-Bahn und andere Infrastrukturen, die sonst auf einer Chilbi anzutreffen sind. Urheberin des aufsehenerregenden Werks ist Claudia Comte, eine Künstlerin, die gerne die Betrachterinnen und Betrachter zum Mitmachen motiviert: «Am meisten liebe ich, wenn ich Menschen in meine Installationen bringen kann und für sie ein Erlebnis schaffe, dass sie total in meinem Universum versinken lässt.»

Kunst für den städtischen Alltag

Münsterhof mit attraktivem Sonnenschutz. © Claudia Comte / KiöR. Foto: KiöR
Münsterhof mit attraktivem Sonnenschutz. © Claudia Comte / KiöR. Foto: KiöR

Die aus Grancy (VD) stammende und in Berlin lebende, 34-jährige Künstlerin ist bekannt geworden mit solchen raumgreifenden Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum. Sie befasst sich in ihrem Œuvre mit architektonischen Formen und grafischen Mustern. Sie fordert das Publikum auch gerne dazu auf, die Kunstwerke zu benutzen, damit zu interagieren oder sie anzufassen. Die Kunst von Comte weist häufig eine funktionale Dimension auf. Sie will ihre Tätigkeit nicht im Verborgenen als geheimes Spezialistenwissen ausüben, sondern integriert ihre Werke mit Absicht in den öffentlichen, städtischen Alltag. «Ich versuche möglichst viele Medien und Techniken zu mischen», sagt die Künstlerin, «um damit eine Total-Installation zu schaffen.»

Sonnensegel und Sitzmöbel

Auf Einladung der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR) der Stadt Zürich hat Claudia Comte speziell für den Münsterhof eine zweiteilige Intervention entwickelt, die nur von Mitte August bis Mitte September zu erleben ist. Sie heisst «Black and White Circles in the Sky» und besteht aus vier grossformatigen Sonnensegeln und einem riesigen Sitzmöbel. Die dreieckig geschnittenen Segel zeigen Fragmente von kreisförmigen Mustern und reflektieren die kunstvolle Pflasterung des Münsterhofs. Damit sensibilisiert die Künstlerin die Passanten für einen städtebaulichen Aspekt, der beim Beschreiten des mittelalterlichen Platzes meist wenig beachtet wird. Anderseits haben die schwarz-weiss gehaltenen Sonnensegel auch eine Funktion: Sie spenden Schatten und laden – wie der «Big Seat» (Comte) – zum Verweilen auf dem Münsterhof ein. Im Herzen des umtriebigen Zürichs entsteht so eine besondere Insel der Musse.

Die Installation von Claudia Comte lädt zum Verweilen ein. © Claudia Comte / KiöR. Foto: KiöR
Die Installation von Claudia Comte lädt zum Verweilen ein. © Claudia Comte / KiöR. Foto: KiöR

«Black and White Circles in the Sky» von Claudia Comte entstand als Pilotprojekt der AG KiöR im Rahmen des Nutzungskonzepts des Zürcher Stadtrats für den Kulturplatz Münsterhof. Bis 2019 werden weitere, wechselnde Projekte realisiert, die den Münsterhof im Sommer als Ort für zeitgenössische Kunst positionieren.

Text: Christoph Doswald

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