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10 JAHRE KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM

Kunst auf Zeit, deren Wirkung erhalten bleibt

2016 feiert die Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum, die AG KiöR, ihr 10jähriges Bestehen. Neben vielen aufsehenerregenden Projekten wie dem «Hafenkran» oder dem «Nagelhaus» ist die Pionierphase der AG KiöR auch geprägt von subtileren, temporären Ausstellungs- und Kunstprojekten, die trotz kurzer Verweildauer nachhaltige Wirkung entfalten. Dank Schenkungen, Ankäufen und Dauerleihgaben konnten nämlich aus diesen zeitlich beschränkten Projekten namhafte Kunstwerke im Zürcher Stadtraum platziert werden.

Der Start war fulminant und von lautem medialem Echo begleitet: Als die AG KiöR die ersten Grossprojekte präsentierten, als die Konturen von Nagelhaus und Hafenkran an die Öffentlichkeit drangen, löste schon alleine die Ankündigung der beiden Kunstwerke eine kulturpolitische Debatte aus, wie sie Zürich seit den 1980er Jahren nicht mehr erlebt hatte. Gewissermassen im Windschatten dieser beiden Grossprojekte initiierte die AG KiöR jedoch eine ganze Reihe von temporären Formaten, die langfristige und nachhaltige Bedeutung für die Entwicklung des Stadtraums haben. Vor allem die regelmässig durchgeführten Sommerprojekte haben das Bewusstsein für Kunst im Stadtraum bei breiten Bevölkerungsteilen geweckt: Gemeint sind die Gasträume (2010, 2011, 2013, 2014), ART AND THE CITY (2012) sowie AAA: ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN (2015).

Alex Hanimann, «Anne-Sophie», 2014, Zürich-West (Pfingstweidstr. 102).  © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Pietro Mattioli / Pro Litteris.
Alex Hanimann, «Anne-Sophie», 2014, Zürich-West (Pfingstweidstr. 102). © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Pietro Mattioli / Pro Litteris.

Als Nebeneffekt dieser Ausstellungen konnten, mit Unterstützung von privatem Sponsoring und Stiftungen sowie mit Hilfe von Kunstschaffenden und Galerien, namhafte Kunstwerke dauerhaft im Stadtraum platziert werden. So kam etwa «Zürichs grösste Frau», wie der Tages-Anzeiger schrieb, bereits im Herbst 2014 an die Pfingstweidstrasse. Vor dem 25hours Hotel steht die fast sechs Meter hohe Chromstahlplastik «Anne-Sophie» des St. Galler Künstlers Alex Hanimann (*1955). Er wurde zusammen mit Saâdane Afif und Valentin Carron mit dem ART AND THE CITY AWARD ausgezeichnet – einem von der Hardturm AG gesponserten Ankaufspreis.

Valentin Carron, «Ca-Tarac-Ta», 2012 (platziert 2015), Parkanlage Förrlibuckstr./ Pfingstweidstr., Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Martin Stollenwerk.
Valentin Carron, «Ca-Tarac-Ta», 2012 (platziert 2015), Parkanlage Förrlibuckstr./ Pfingstweidstr., Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Martin Stollenwerk.
Saâdane Afif, «The Soapbox», 2012, Art and the City (9. Juni – 23. Sept. 2012), KiöR, Stadt Zürich. Foto: Peter Neusser.
Saâdane Afif, «The Soapbox», 2012, Art and the City (9. Juni – 23. Sept. 2012), KiöR, Stadt Zürich. Foto: Peter Neusser.

Vor Kurzem konnte nun auch der mit dem AATC-Award erworbene Bronze-Brunnen «Ca-tarac-ta» von Valentin Carron (*1977) in Zürich-West installiert werden. Und Saâdane Afifs (*1970) Performance-Skulptur «The Soapbox» soll im Frühsommer 2016 eingeweiht werden.

Los Carpinteros, «Towers», 2012, Escher-Wyss-Platz, Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Peter Neusser.
Los Carpinteros, «Towers», 2012, Escher-Wyss-Platz, Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Peter Neusser.

Ebenfalls aus der Sommerausstellung 2012 stammen die Backsteinskulpturen des kubanischen Künstler-Duos Los Carpinteros am Escher-Wyss-Platz. Die fünf hochaufragenden «Towers» sind mittlerweile regelrechte Wahrzeichen im Stadtbild. Sie erinnern als übergrosse Schraubmaschinen-Aufsätze an die handwerkliche Vergangenheit des Industriequartiers. Dank des Ankaufs dreier Skulpturen durch eine Zürcher Stiftung und dank der Bereitschaft der Künstler, die beiden restlichen «Towers» als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen, blieb das Ensemble am Escher-Wyss-Platz auch nach der Ausstellung erhalten.

Teresa Margolles, «Mesa y dos bancos», 2013, Gasträume (7. Juni bis 8. Sept. 2013), Stadt Zürich. Courtesy: Teresa Margolles. Foto: Lukas Walpen.
Teresa Margolles, «Mesa y dos bancos», 2013, Gasträume (7. Juni bis 8. Sept. 2013), Stadt Zürich. Courtesy: Teresa Margolles. Foto: Lukas Walpen.

In Zürich geblieben ist auch die Beton-Installation «Mesa y dos Bancos» der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles (*1963). Speziell für die Gasträume 2013 produziert und über den Sommer auf dem Turbinenplatz ausgestellt, erwarb das Migros Museum das in der Öffentlichkeit heiss diskutierte Kunstwerk für seine Sammlung im Löwenbräu-Areal. Auch von der Sommerausstellung 2015 bleiben voraussichtlich wieder zwei Werke im Zürcher Stadtraum erhalten. Seit der Vernissage von AAA: ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN überzieht ein feinmaschiges Koordinatensystem von violetten Linien und Streifen den Altstetterplatz. Auf Initiative der FDP Kreis 9 soll diese Intervention des Zürcher Künstlers Pascal Häusermann (*1973) erhalten bleiben. «Uns allen gefallen die Streifen», schrieb Mit-Initiant Martin Kunzi, Vorstandsmitglied der Partei, begeistert in seinem e-Mail.

Ana Roldán, «Enjoy the Silence», 2015, Friedhof Eichbühl (Pavillondach Unterstand) Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Cédric Eisenring.
Ana Roldán, «Enjoy the Silence», 2015, Friedhof Eichbühl (Pavillondach Unterstand) Zürich. © KiöR, Stadt Zürich, Foto: Cédric Eisenring.

Ebenfalls Bestand haben wird die poetische Intervention, die Ana Roldán (*1977) speziell für das Dach des brutalistischen Beton-Pavillons auf dem Friedhof Eichbühl entwickelt hatte. Die goldene Kugel balanciert mit atemberaubender Sicherheit auf der äussersten Ecke des weit auskragenden Daches und soll an den legendären Performance-Pionier James Lee Byars (1932-1997) erinnern. «Enjoy the Silence», der Publikumsliebling von ART ALTSTETTEN ALBISRIEDEN, bleibt mit finanzieller Hilfe von Privatpersonen im Friedhof Eichbühl zu sehen.



Text: Christoph Doswald

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